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Stündlich aktualisiert

Politik · Unruhen an Schulen

Frankreichs Schülerproteste eskalieren weiter

In Frankreich weiten sich Proteste von Schülerinnen und Schülern aus. Mehr als 5.000 Menschen wurden festgenommen, die Regierung sagt Verbesserungen zu.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Eine französische Schule in angespannter Proteststimmung.
Symbolbild: Eine französische Schule in angespannter Proteststimmung. KI-generiert

Die Schülerproteste in Frankreich haben sich am Freitag weiter zugespitzt. Landesweit waren nach Regierungsangaben rund 560 Schulen von Unruhen betroffen, Hunderte Einrichtungen blieben geschlossen. Seit Beginn der Woche wurden mehr als 5.000 Menschen festgenommen, darunter sehr viele Minderjährige. Während die Regierung Verbesserungen im Schulalltag ankündigt, wollen Schülervertretungen weiter mobilisieren und rufen zugleich zur Abgrenzung von Gewalt auf.

Mehr als 5.000 Festnahmen

Innenminister Laurent Nuñez nannte am Freitag ein Ausmaß, das die Regierung offenbar überrascht hat. Wie der Deutschlandfunk berichtete, sagte Nuñez im Sender TF1, allein seit Donnerstag seien 3.700 Menschen in Gewahrsam genommen worden. Minderjährige stellen demnach etwa 85 Prozent der Festgenommenen; ein großer Teil soll aus dem schulischen Umfeld stammen.

Nuñez verwies auch auf politische Mobilisierung, unter anderem durch die linke Partei LFI. Dadurch habe die Bewegung an Breite gewonnen. Zugleich sagte er, Gewalt und Schäden seien den Verantwortlichen aus dem Ruder gelaufen. Die Behörden werfen Festgenommenen unter anderem Angriffe und Sachbeschädigungen vor.

Besonders schwere Vorfälle meldeten die Behörden aus Belfort und Paris. In Belfort wurde ein Polizist attackiert; laut Tagesschau ermittelt die Justiz wegen versuchter Tötung. Im Großraum Paris kam es an Dutzenden Schulen zu Ausschreitungen, in der Hauptstadt wurden Eingänge zweier Schulen angezündet. In Lyon wurden an mehreren Schulen Böller gezündet und Mülltonnen in Brand gesetzt.

Schülervertreter weisen Gewalt zurück

Schülerorganisationen betonen, die Gewalttaten stünden nicht für ihre Bewegung. Nathanaël Combray von Renouveau Lycéen nannte die Szenen nach einem Gespräch mit Bildungsminister Édouard Geffray „absolut widerlich“. Er forderte Schülerinnen und Schüler auf, sich verantwortungsvoll zu verhalten und sich nicht Aktionen anzuschließen, die den eigenen Anliegen schadeten.

Louis Letoublon von Les Lycéens erklärte, die Taten würden nicht von Gymnasiasten begangen, sondern von Personen von außen. Auch Justizminister Gérald Darmanin sprach von einer gewaltbereiten Minderheit und stellte infrage, ob alle Beteiligten tatsächlich Schülerinnen oder Schüler seien. Er kündigte an, Eltern minderjähriger Täter stärker für Schäden heranzuziehen.

Die offiziellen Verletztenzahlen zeigen die Belastung der vergangenen Tage. Mindestens 300 Sicherheitskräfte wurden verletzt, außerdem 170 Jugendliche und 65 Beschäftigte an Schulen. Zugleich gibt es Kritik am Vorgehen der Polizei. Der Spiegel berichtete, Menschenrechtsgruppen werfen den Einsatzkräften unverhältnismäßige Härte gegen Minderjährige vor; das Innenministerium hat demnach drei Untersuchungen wegen möglicher Polizeigewalt eingeleitet.

Minister verspricht Entlastung

Bildungsminister Geffray traf Schülervertreter und Gewerkschaften. Er sagte den Protestierenden zu, ihre Beschwerden ernst zu nehmen, und kündigte Verbesserungen an. Besonders in den beiden Abschlussklassen soll weniger Unterricht ausfallen. Ein zentraler Kritikpunkt ist, dass erkrankte Lehrkräfte in Prüfungsfächern teils lange nicht ersetzt werden.

Auch bei Stundenplänen will das Ministerium nachbessern. Schülerinnen und Schüler hatten beklagt, Unterrichtstage bis in den Abend und anschließende Hausaufgaben seien kaum zu bewältigen. Dennoch bewerteten Vertreter der Bewegung das Treffen als unzureichend. Konkrete Zusagen seien ausgeblieben, hieß es aus Schülerkreisen.

Für kommenden Dienstag ist deshalb eine größere landesweite Demonstration geplant. Mehrere Bildungsgewerkschaften wollen den Protesttag unterstützen, auch Streiks stehen im Raum. Die Bewegung bleibt damit trotz der Gewalteskalation politisch wirksam und setzt die Regierung weiter unter Druck.

Streit um Geld und Schulzustand

Hinter den Protesten steht breite Unzufriedenheit mit dem Zustand des Bildungssystems. Schülerinnen und Schüler kritisieren marode Gebäude, fehlende Lehrkräfte, überfüllte Klassen und eine aus ihrer Sicht zu geringe Finanzierung. Der Haushaltsentwurf für 2027 sieht für Bildung ein Plus von 1,7 Prozent vor; das liegt unter der Inflationsrate.

Damit geht es nicht nur um einzelne Zwischenfälle an Schulen, sondern um eine Grundsatzdebatte über die Prioritäten der Regierung von Präsident Emmanuel Macron. Die Ausschreitungen verschärfen den politischen Druck, drohen aber zugleich die inhaltlichen Forderungen zu überlagern. Schülervertretungen versuchen deshalb, zwei Botschaften gleichzeitig zu setzen: Der Protest soll weitergehen, Gewalt aber nicht Teil davon sein.