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Stündlich aktualisiert

Politik · Proteste in Frankreich

Frankreich schickt über 3.000 Vertretungslehrkräfte

Nach fast zwei Wochen Schulprotesten kündigt Paris mehr als 3.000 Vertretungslehrkräfte an. Sie sollen vor allem an 114 besonders betroffenen Gymnasien eingesetzt werden.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Vor einem Gymnasium liegen leere Protestschilder und Schultaschen.
Symbolbild: Vor einem Gymnasium liegen leere Protestschilder und Schultaschen. KI-generiert

Frankreichs Regierung reagiert auf die landesweiten Schulproteste mit zusätzlichem Personal. Premierminister Sébastien Lecornu kündigte am Donnerstagabend an, mehr als 3.000 Vertretungslehrkräfte kurzfristig einzusetzen. Sie sollen an 114 Gymnasien arbeiten, an denen der Mangel besonders groß ist. Die neuen Kräfte sollen nach Angaben von Bildungsminister Édouard Geffray zwischen Freitag und Dienstag ihren Dienst beginnen.

Regierung stellt Personal und Geld in Aussicht

Der Schritt ist Teil eines Plans des Bildungsministeriums. Wie der Spiegel berichtet, will Lecornu außerdem mehrere Hundert weitere Beschäftigte einstellen lassen, um akute Lücken an den Schulen zu schließen. Nach den Herbstferien sollen zudem mehr Vertretungen durch Lehrkräfte möglich werden, die bereits an den jeweiligen Schulen tätig sind.

Die Regierung stellt auch zusätzliche Mittel in Aussicht. Lecornu kündigte Änderungsanträge zum Haushalt 2027 an. Damit sollen einzelne Forderungen der protestierenden Schülerinnen und Schüler in konkrete Maßnahmen überführt werden. Im Mittelpunkt steht dabei der Bereich der Vertretungslehrkräfte.

Mit dieser Zusage kommt die Regierung den Jugendlichen erstmals mit einem konkreten Maßnahmenpaket entgegen. Seit knapp zwei Wochen protestieren Schülerinnen und Schüler für eine bessere Ausstattung der Gymnasien, mehr Ersatz bei Unterrichtsausfall und höhere Investitionen in die Bildung. Inzwischen beteiligen sich auch Studierende an den Aktionen. Weitere Demonstrationen waren für die kommenden Tage angekündigt.

Zehntausende bei Protesten

Am Donnerstag gingen erneut viele Menschen auf die Straße. Der Tagesspiegel nennt unter Berufung auf das Innenministerium 71.500 Teilnehmende bei Demonstrationen in ganz Frankreich. In Paris waren es demnach 24.500. Zusätzlich beteiligten sich landesweit 55.000 Menschen an Blockaden und Protestaktionen direkt an Schulen.

Die meisten Demonstrationen und Schulblockaden verliefen friedlich. Zugleich meldeten die Behörden 504 Festnahmen im Zusammenhang mit den Aktionen. 48 Polizeikräfte wurden verletzt. Die hohen Zahlen zeigen, wie stark sich der Konflikt um die Schulen ausgeweitet hat.

Die Proteste richten sich nicht nur gegen fehlendes Personal. Sie stehen auch für Unzufriedenheit über die Lage an den Gymnasien insgesamt. Viele Jugendliche fordern verlässlichere Unterrichtsversorgung und bessere Bedingungen im Schulalltag. Die Ankündigung zusätzlicher Vertretungslehrkräfte zielt deshalb auf einen zentralen Kritikpunkt.

Debatte über Polizeieinsätze

Parallel wächst die Kritik an Polizeimaßnahmen gegen die überwiegend minderjährigen Demonstrierenden. Mehrere Einsätze haben Empörung ausgelöst. Gegen einzelne Beamte laufen Ermittlungen wegen des Verdachts auf Polizeigewalt.

Das Innenministerium schildert zugleich eine Zunahme gewaltsamer Vorfälle am Rand der ansonsten friedlichen Mobilisierung. Betroffen waren nach Behördenangaben auch Schulen und Beschäftigte. In Poitiers wurde nachts in einem Gymnasium Feuer gelegt; die Flammen griffen auf das Auto einer Lehrerin über. In Saint-Étienne drangen mehrere Dutzend Personen in ein Gymnasium ein und beschädigten die Kantine schwer.

Weitere Vorfälle ereigneten sich in Toulouse und Saint-Chamond. In Toulouse wurde ein Schulleiter von einem erwachsenen Demonstranten geschlagen. In Saint-Chamond erlitt der stellvertretende Schulleiter Verbrennungen im Gesicht durch einen Feuerwerkskörper. Auch Polizeieinrichtungen wurden attackiert: In Straßburg brannte ein Polizeifahrzeug, in La Rochelle gab es Schäden am Polizeipräsidium, in Bordeaux wurde eine Polizeiwache Ziel eines Brandanschlags.

Ein Konflikt mit politischem Druck

Für Premierminister Lecornu kommt die schnelle Personalzusage in einer angespannten Lage. Die Proteste sind inzwischen nicht mehr auf einzelne Schulen beschränkt, sondern betreffen zahlreiche Städte und auch Hochschulen. Die Regierung versucht, den Druck durch sofortige Maßnahmen und eine finanzielle Perspektive im kommenden Haushalt zu mindern.

Ob die Ankündigungen die Proteste beruhigen, entscheidet sich in den nächsten Tagen. Entscheidend dürfte sein, ob die zusätzlichen Vertretungslehrkräfte tatsächlich schnell an den betroffenen Gymnasien ankommen und ob weitere Forderungen der Jugendlichen aufgegriffen werden.