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Stündlich aktualisiert

Politik · Unruhen in Frankreich

Frankreich erlebt schwere Krawalle bei Protesttag

In Frankreich eskalieren landesweite Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten. In Limoges brennt das Rathaus, etwa 400 Menschen werden festgenommen.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Eine französische Innenstadt nach nächtlichen Ausschreitungen.
Symbolbild: Eine französische Innenstadt nach nächtlichen Ausschreitungen. KI-generiert

Bei einem landesweiten Protesttag gegen hohe Preise und soziale Missstände ist es in Frankreich am Samstag zu massiver Gewalt gekommen. Nach Angaben des Innenministeriums wurden etwa 400 Menschen festgenommen, 60 Polizisten verletzt. In Limoges brannte das historische Rathaus weitgehend aus. Präsident Emmanuel Macron kündigte Strafverfolgung an und erklärte: „In unserer Republik ist kein Platz für Gewalt.“

Proteste in vielen Städten

Nach Angaben von Innenminister Laurent Nuñez gingen landesweit 550.000 Menschen auf die Straße, davon 110.000 in Paris. Die Organisatoren nannten 800.000 Teilnehmende. In der Hauptstadt und in zahlreichen weiteren Städten gab es Demonstrationszüge und lokale Aktionen. Viele Menschen protestierten friedlich. Forderungen richteten sich unter anderem auf mehr Geld für Bildung und Gesundheit, bezahlbaren Wohnraum, Klimaschutz sowie bessere Löhne.

In Paris kam es nach Darstellung des Innenministeriums zugleich zu mehreren nicht angemeldeten oder unkontrollierten Zügen, die in Richtung staatlicher Einrichtungen vordringen wollten. Die Sicherheitskräfte hätten versucht, Regierungsgebäude und andere zentrale Orte zu schützen. Premierminister Sébastien Lecornu sagte nach einer Krisensitzung, in Paris seien wichtige Machtzentren ins Visier geraten, darunter der Élysée-Palast, der Regierungssitz und die Nationalversammlung. Er sprach von einem „entsetzlichen Ausmaß an Gewalt“.

Rathaus in Limoges stark zerstört

Besonders schwer betroffen war Limoges. Dort wurde das 1883 fertiggestellte Rathaus durch ein Feuer zu großen Teilen zerstört. Der zuständige Präfekt Maurice Barate bezeichnete den Brand als vorsätzlich. Maskierte Personen sollen in das Gebäude eingedrungen sein und Feuer gelegt haben. Barate sagte, das Dach sei auf darunterliegende Geschosse gestürzt; große Teile der Fassade seien zerstört. Er sprach von einer Katastrophe für das kulturelle Erbe.

Das Gebäude hat historische Bedeutung. Während des Zweiten Weltkriegs diente es zeitweise belgischen Exilpolitikern als Sitz. Zudem spielte es eine Rolle im Widerstand gegen die deutsche Besatzung in der südlichen Region Frankreichs.

Auch aus anderen Städten wurden Ausschreitungen gemeldet. In Marseille versuchten Demonstrierende nach Angaben des Innenministeriums, in eine Polizeiwache einzudringen. Zudem gelangten Personen in das Rathaus, Geschäfte wurden geplündert. In Lyon brannte die Touristeninformation, außerdem wurden Läden beschädigt. Einsatzkräfte der Feuerwehr seien dort am Löschen gehindert worden. In Avignon drangen Randalierer in den Innenhof der Präfektur ein, in Grenoble kam es zu Schäden am Rathaus.

Viele Festnahmen und Verletzte

In Paris nahm die Polizei nach Angaben der Polizeipräfektur rund 100 Menschen fest, weil sie Waffen oder andere verbotene Gegenstände bei sich gehabt haben sollen. Landesweit lag die Zahl der Festnahmen am Samstagabend bei etwa 400. Neben den verletzten Polizisten gab es auch verletzte Demonstrierende. Medienberichten zufolge verlor ein 17-Jähriger in Saint-Étienne durch eine von der Polizei abgefeuerte Granate eine Hand. In Nancy wurden demnach drei Menschen durch eine Blendgranate verletzt.

Das Innenministerium machte eine starke Beteiligung der ultralinken Szene für die Gewalt verantwortlich. Vermummte Gruppen hätten gezielt angegriffen, besonders in Paris, Marseille, Rennes, Toulouse und Angers. Auch Medien seien attackiert worden. In Paris blockierten etwa 100 Vermummte den Zugang zu einem rechten Fernsehsender.

Macron stellte sich hinter die Einsatzkräfte. Wer Präfekturen, Geschäfte oder Rathäuser beschädigt und angegriffen habe, werde verfolgt und bestraft, erklärte er. Lecornu warnte, niemand werde eine politische Agenda mit Gewalt durchsetzen können. Die Regierung sieht die Ausschreitungen auch vor dem Hintergrund der kommenden Präsidentschaftswahlen mit Sorge.

Breiter sozialer Unmut

Der Protesttag war seit Längerem angekündigt. Daran beteiligten sich unter anderem Gewerkschaften, Schülerinnen und Schüler, Studierende, Landwirte und weitere Gruppen. Der Aufruf verbreitete sich auch über soziale Netzwerke und war keiner einzelnen Organisation eindeutig zuzurechnen. Neben den Lebenshaltungskosten ging es um hohe Spritpreise, geringe Löhne, Probleme in Landwirtschaft und Feuerwehr sowie um Missstände im Bildungssystem.

Im Internet kursierte außerdem ein Aufruf zu einer Neuauflage der Gelbwestenbewegung. Viele Menschen trugen gelbe Westen, auch wenn ein großer Teil der Demonstrationen friedlich blieb. Die Regierung fürchtet, dass der Protesttag zum Ausgangspunkt einer breiteren Bewegung werden könnte.