Politik · Geheimdienstaffäre
Ex-BND-Präsident Hanning festgenommen
Beamte des Bundeskriminalamts haben am Dienstagmorgen den früheren BND-Präsidenten August Hanning festgenommen. Der Generalbundesanwalt führt Ermittlungen wegen schwerer Spionagevorwürfe. Ebenfalls festgenommen wurde der frühere BND-Büroleiter Manfred D. Im Zentrum steht der Verdacht, dass Hanning über Jahre interne Informationen des Auslandsnachrichtendienstes erhielt und sie für seine private Beratungstätigkeit nutzte.
Vorwürfe gegen Hanning
Hanning wird nach Angaben von ZDFheute unter anderem mutmaßliche landesverräterische Ausspähung, Auskundschaften von Staatsgeheimnissen, versuchter Landesverrat und geheimdienstliche Agententätigkeit vorgeworfen. Die Ermittler prüfen demnach, ob Informationen an ausländische Agenten gelangten. Gegen Manfred D. richten sich Vorwürfe der Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung.
Der frühere BND-Präsident soll von 2010 bis mindestens 2022 von Manfred D. mit nahezu 2.000 Dokumenten und Informationen versorgt worden sein. Darunter sollen sich zahlreiche Vorgänge befunden haben, die als Verschlusssachen eingestuft waren und nur innerhalb des Bundesnachrichtendienstes verwendet werden durften. Der Deutschlandfunk berichtete, es habe sich teilweise um streng geheime Informationen gehandelt.
Nach Darstellung der Ermittler soll Hanning für diese Weitergaben Geld gezahlt haben. Das mutmaßliche Motiv: Er habe die Informationen im Rahmen seiner privaten Beratung wirtschaftlich nutzen wollen. In mindestens einem Fall soll er Erkenntnisse für eine Sicherheitsanalyse verwendet haben, die einem ausländischen nachrichtendienstlichen Umfeld zugedacht gewesen sein soll. Ob diese Analyse den vorgesehenen Empfänger erreichte, ist laut ZDFheute bislang nicht festgestellt.
Spur aus anderem Verfahren
Auf Hanning stießen die Ermittler im Zusammenhang mit einem anderen Komplex. Im September 2025 hatte das Landeskriminalamt Hamburg Räume bei ihm durchsuchen lassen. Hintergrund war der Kriminalfall um die gewaltsame Verschleppung zweier Kinder aus der Unternehmerfamilie Block. Hanning bestreitet eine Beteiligung an diesem Geschehen.
Bei dieser Durchsuchung sollen Funde entdeckt worden sein, die später den Spionageverdacht begründeten. Der Generalbundesanwalt wertet sie als Hinweise darauf, dass Manfred D. über einen langen Zeitraum Material aus dem Nachrichtendienst an Hanning weitergegeben haben könnte. Damit hätte ein früherer Behördenchef noch Jahre nach seinem Ausscheiden Zugriff auf sensible Informationen aus dem BND erhalten.
Früherer Spitzenbeamter im Fokus
August Hanning ist heute 80 Jahre alt. Er leitete den Bundesnachrichtendienst von 1998 bis 2005. In seine Amtszeit fielen sicherheitspolitisch prägende Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Nach dem Ende seiner Amtszeit trat er als Berater auf.
Manfred D. war nach den Angaben bei ZDFheute von März 2012 bis März 2026 als Büroleiter für mehrere spätere BND-Präsidenten tätig. Der Zeitraum der mutmaßlichen Informationsweitergabe beginnt den Ermittlungen zufolge bereits 2010 und endet 2022. Damit umfasst der Verdacht sowohl Jahre vor als auch während seiner Tätigkeit in herausgehobener Nähe zur Leitung des Dienstes.
Politische Brisanz
Der Fall ist außergewöhnlich, weil er einen früheren Präsidenten des deutschen Auslandsnachrichtendienstes betrifft. Die Vorwürfe berühren den Umgang mit Staatsgeheimnissen, den Schutz interner Nachrichtendienstinformationen und die Frage, ob vertrauliches Wissen aus dem BND in private oder fremde nachrichtendienstliche Zusammenhänge gelangt sein könnte.
Für die Sicherheitsbehörden ist der Vorgang auch deshalb heikel, weil es nicht um einzelne Dokumente geht, sondern um eine mutmaßlich jahrelange Versorgung mit internem Material. Die Ermittlungen richten sich nun auf die Herkunft, Weitergabe und mögliche Verwendung dieser Informationen. Bis zu einer gerichtlichen Klärung gelten die Vorwürfe als Verdacht.