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Stündlich aktualisiert

Politik · Nukleare Abschreckung

Deutsche Tornados üben Nato-Atomwaffeneinsatz in Italien

Die Bundeswehr beteiligt sich mit drei Tornado-Jets an der Nato-Übung „Steadfast Noon“ in Norditalien. Trainiert wird die nukleare Abschreckung des Bündnisses.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Kampfflugzeuge auf einem Militärflugplatz während einer Nato-Übung.
Symbolbild: Kampfflugzeuge auf einem Militärflugplatz während einer Nato-Übung. KI-generiert

Die deutsche Luftwaffe nimmt ab Montag an der Nato-Übung „Steadfast Noon“ in Italien teil. Dafür wurden drei Tornado-Kampfflugzeuge des taktischen Luftwaffengeschwaders 33 zur Aviano Air Base in Norditalien verlegt, wie n-tv unter Berufung auf einen Luftwaffensprecher berichtet. Mehrere Dutzend deutsche Soldatinnen und Soldaten sind demnach beteiligt. Das Bündnis probt bei dem jährlich stattfindenden Manöver Abläufe der nuklearen Abschreckung und Verteidigung.

Tornados aus Büchel in Aviano

Die deutschen Tornados sind regulär in Büchel in Rheinland-Pfalz stationiert. Der Standort spielt seit Jahren eine zentrale Rolle in der Debatte über die nukleare Teilhabe der Nato. Nach offiziell nicht bestätigten Angaben lagern dort US-Atomwaffen, die im äußersten Fall auch von deutschen Flugzeugen eingesetzt werden könnten.

Die nukleare Teilhabe ist Teil der Abschreckungsstrategie des Bündnisses. Sie sieht vor, dass europäische Verbündete in die Planung und mögliche Durchführung atomarer Einsätze eingebunden sind, während die Waffen unter Kontrolle der USA stehen. Als weitere europäische Standorte für US-Atomwaffen werden unter anderem Stützpunkte in Italien, Belgien und den Niederlanden genannt.

Konkrete Angaben zum Szenario macht die Nato nicht. Aus dem Hauptquartier hieß es lediglich, der Umfang entspreche ungefähr dem Vorjahr. Damals waren nach Nato-Angaben rund 2.000 Militärangehörige und mehr als 70 Flugzeuge beteiligt. Dazu zählten auch F-35-Kampfjets sowie Maschinen zur Überwachung und Luftbetankung.

Übungsbomben ohne Kernsprengkopf

Bei „Steadfast Noon“ werden nach Einschätzung von Militärexperten zentrale Abläufe für einen möglichen atomaren Einsatz trainiert. Dazu gehört, wie Waffen aus gesicherten unterirdischen Lagern zu Flugzeugen gebracht und an Kampfjets angebracht werden. Bei den anschließenden Flug- und Angriffssimulationen kommen keine scharfen Atomwaffen zum Einsatz, sondern Übungsbomben ohne nuklearen Sprengkopf.

Die Nato betont, das Manöver stehe nicht im Zusammenhang mit aktuellen Ereignissen und richte sich gegen keinen bestimmten Staat. Zugleich ist Russland seit Jahren der wichtigste Bezugspunkt in der Bedrohungsanalyse des Bündnisses. Ende September warf die Nato Moskau erneut nukleare Drohgebärden vor. Russland hatte zuvor mit Blick auf Nato-Manöver und eine aus Moskauer Sicht drohende Isolierung der Exklave Kaliningrad auf sein gesamtes militärisches Arsenal verwiesen, einschließlich Atomwaffen.

Eine russische Reaktion auf die diesjährige Ankündigung gab es zunächst nicht. Im vergangenen Jahr ließ Moskau parallel zu „Steadfast Noon“ ein großes Manöver seiner strategischen Atomstreitkräfte laufen. Kremlchef Wladimir Putin bezeichnete es damals als reguläre Übung.

Rutte hält Anpassungen offen

Nato-Generalsekretär Mark Rutte hatte im Juli nicht ausgeschlossen, dass künftig zusätzliche US-Atomwaffen in Europa stationiert werden. Zu Einzelheiten laufender Beratungen äußerte er sich aus Geheimhaltungsgründen nicht. Das Bündnis überprüfe fortlaufend, welche Fähigkeiten nötig seien und wie die nukleare Abschreckung zusammengesetzt sein müsse. Gegenüber n-tv wurde Rutte mit den Worten zitiert: „Wo immer wir Anpassungen vornehmen müssen, werden wir dies tun.“

Parallel zur Atomwaffenübung schärft die Nato ihre konventionellen Verteidigungspläne. Der Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte in Europa, Alexus Grynkewich, stellte in Warschau ein Konzept vor, mit dem ein möglicher Angriff auf Bündnisgebiet abgewehrt werden soll. Er sagte dort, er rechne nicht mit einem unmittelbar bevorstehenden oder unvermeidbaren Konflikt. Einsatzbereitschaft verlange jedoch Planung für mögliche Entwicklungen.

Das Konzept sieht laut n-tv drei Phasen vor: einen Angriff stoppen, dessen Wucht brechen und bei fortgesetzten Angriffen die eingesetzten gegnerischen Kräfte militärisch ausschalten. Die Verteidigung soll demnach bereits vor einem ersten Schuss beginnen, etwa durch Aufklärung, Auswertung von Geheimdienstinformationen und schnelle Verlegung eigener Truppen. In der Nato wächst damit der Fokus auf Abschreckung, frühzeitige Reaktion und die Fähigkeit, einen Angriff auf Bündnisgebiet sofort beantworten zu können.