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Stündlich aktualisiert

Politik · Todesstrafe in den USA

Christa Pike nach gescheiterter Hinrichtung in Klinik

In Tennessee hat Christa Pike eine Hinrichtung per Giftspritze überlebt. Die 50-Jährige liegt in Nashville bewusstlos auf der Intensivstation.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein leerer Krankenhausflur steht für die Folgen der gescheiterten Hinrichtung in Tennessee.
Symbolbild: Ein leerer Krankenhausflur steht für die Folgen der gescheiterten Hinrichtung in Tennessee. KI-generiert

Die in Tennessee zum Tod verurteilte Christa Pike ist nach einer fehlgeschlagenen Hinrichtung in kritischem Zustand. Die 50-Jährige wurde nach zwei Injektionen am Mittwochabend in ein Krankenhaus in Nashville gebracht, dort intubiert und künstlich beatmet. Gouverneur Bill Lee stoppte daraufhin alle weiteren Hinrichtungen im Bundesstaat für den Rest des Jahres und ordnete eine externe Untersuchung an.

Behandlung in Nashville

Der Spiegel berichtete unter Berufung auf die „New York Times“, Pike sei bewusstlos und an ein Beatmungsgerät angeschlossen. In der Klinik versuchen Ärztinnen und Ärzte demnach, sie am Leben zu erhalten. Zugleich gehe es darum, das Hinrichtungsmittel Pentobarbital aus ihrem Körper zu entfernen.

Pentobarbital wird in US-Bundesstaaten für Exekutionen per Injektion eingesetzt. Bei Pike sollte es nach Darstellung ihrer Verteidigung über Infusionszugänge in den Blutkreislauf gelangen. Genau das soll nach Einschätzung ihrer Anwälte nicht richtig funktioniert haben. Sie vermuten, dass die Schläuche falsch lagen oder Venen beschädigt wurden. Dadurch sei das Mittel ganz oder teilweise in das Gewebe gelangt.

Die Anwälte kritisieren, dass das Hinrichtungsteam den mutmaßlichen Fehler nicht rechtzeitig erkannt habe. Eine abschließende Bewertung des Ablaufs liegt mit der angeordneten Untersuchung nun bei einer externen Stelle. Für Tennessee hat der Fall unmittelbare Folgen, weil geplante weitere Exekutionen zunächst nicht mehr stattfinden.

Gouverneur setzt Hinrichtungen aus

Mit dem Stopp reagiert Gouverneur Lee auf einen Vorfall, der über Tennessee hinaus Aufmerksamkeit auslöst. Fehlgeschlagene Hinrichtungen stehen in den USA regelmäßig im Zentrum juristischer und politischer Auseinandersetzungen über die Todesstrafe. Im Fall Pike kommt hinzu, dass sie als einzige Frau in Tennessee im Todestrakt sitzt.

Die Entscheidung des Gouverneurs bedeutet nicht, dass Pikes Todesurteil aufgehoben ist. Sie verschiebt aber die Frage, ob und wann der Staat einen weiteren Versuch unternehmen könnte. Dafür dürfte das Ergebnis der Untersuchung wichtig werden, ebenso mögliche neue Anträge der Verteidigung.

Bei ZDFheute live ordnete der Jurist Jürgen Rodegra ein, Pikes Anwälte würden nun nach Gründen suchen, eine erneute Exekution zu verhindern. Am Urteil über die Schuld ändere der Vorfall zunächst nichts, sagte er sinngemäß; „an dem Schuldspruch ändert sich nichts“, erklärte Rodegra dort.

Fall reicht bis in die Neunzigerjahre zurück

Pike wurde 1996 wegen des Mordes an der 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tod verurteilt. Zur Tatzeit war Pike 18 Jahre alt. Der Fall gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Todesstrafenverfahren in Tennessee, auch weil Pikes Alter bei der Tat und ihre lange Haftzeit immer wieder Teil der Debatte waren.

Ihre Verteidigung verwies in den vergangenen Jahren zunehmend auf ihre Lebensgeschichte. Dazu zählen eine schwere Kindheit, psychische Erkrankungen und ihre Entwicklung während der Haft. Diese Punkte spielten in Bemühungen eine Rolle, die Vollstreckung des Todesurteils zu verhindern oder umzuwandeln.

Der gescheiterte Ablauf der Exekution verlagert die Debatte nun auf die Durchführung staatlicher Hinrichtungen. Im Mittelpunkt stehen medizinische und organisatorische Fragen: ob die Infusionen korrekt gelegt wurden, wer den Vorgang kontrollierte und wie lange das Problem unbemerkt blieb. Zugleich bleibt der politische Streit um die Todesstrafe bestehen. Befürworterinnen und Befürworter verweisen auf rechtskräftige Urteile, Gegnerinnen und Gegner auf Risiken, irreversible Folgen und mögliche Fehler im Vollzug.

Für Pike entscheidet zunächst ihr Gesundheitszustand über den weiteren Verlauf. Während sie in Nashville intensivmedizinisch behandelt wird, muss Tennessee klären, wie es zu dem gescheiterten Vollzug kommen konnte. Bis zum Abschluss der angeordneten Prüfung sind weitere Hinrichtungen im Bundesstaat ausgesetzt.