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Politik · Energiepolitik

Bund bereitet Rückzug bei Gaskonzern Sefe vor

Die Bundesregierung stößt die Reprivatisierung von Sefe an. Der verstaatlichte Gaskonzern soll nach früherer Rettung wieder in private Hand kommen.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Der Bund bereitet die Rückführung des verstaatlichten Gaskonzerns Sefe in private Hände vor.
Symbolbild: Der Bund bereitet die Rückführung des verstaatlichten Gaskonzerns Sefe in private Hände vor. KI-generiert

Der Bund bringt die Rückführung des Gaskonzerns Sefe in private Hände auf den Weg. Das Bundeswirtschaftsministerium lässt dafür juristische Beratung suchen, zudem läuft die Auswahl von Finanzberatern. Der ehemals zu Gazprom gehörende Konzern war nach dem russischen Angriff auf die Ukraine mit rund sechs Milliarden Euro stabilisiert und verstaatlicht worden. Nun wird Sefe nach Berichten wieder ungefähr mit dieser Summe bewertet.

Beratung für Verkauf wird gesucht

Deutschlandfunk berichtete unter Verweis auf die „Börsen-Zeitung“, das Wirtschaftsministerium habe Kanzleien zur Bewerbung um ein Beratungsmandat aufgefordert. Grundlage seien Ausschreibungsunterlagen. Nach Angaben des „Spiegel“ soll die Entscheidung über die rechtliche Begleitung spätestens bis zum 1. November fallen.

Parallel dazu bewerben sich Investmentbanken um Mandate im Zusammenhang mit der Privatisierung. Das Handelsblatt berichtete unter Berufung auf Ministeriumskreise, die Bundesregierung habe den Auswahlprozess für Kanzleien und Investmentbanker gestartet. Aus Finanzkreisen heißt es demnach, die Investmentbank Lazard solle den Vorgang begleiten. In den Berichten wird außerdem die staatliche Förderbank KfW als Stelle genannt, bei der Investmentbanken um entsprechende Aufträge werben.

Der geplante Zeitplan sieht laut Handelsblatt vor, dass der Verkauf Anfang 2027 beginnen soll. Ein Gang an die Börse gilt demnach als wenig wahrscheinlich. Andere Berichte beschreiben das Verfahren zunächst breiter: Es könne auf einen Verkauf hinauslaufen, theoretisch aber auch auf ein Börsendebüt.

Kapital für Infrastruktur im Gespräch

Im Zuge der Privatisierung ist den Berichten zufolge auch eine Kapitalerhöhung vorgesehen. Sie könnte bis zu zwei Milliarden Euro einbringen und soll dem Ausbau des Infrastrukturgeschäfts dienen. Damit würde die neue Eigentümerstruktur mit zusätzlichem Kapital verbunden.

Das Interesse möglicher Investoren wird bislang als zurückhaltend beschrieben. Zudem gilt die finanzielle Erholung von Sefe als weniger weit fortgeschritten als beim Energiekonzern Uniper, der ebenfalls wieder privatisiert werden soll. Uniper war wie Sefe in der Energiekrise staatlich gestützt worden; die Quellen ziehen den Vergleich vor allem wegen des ähnlichen Privatisierungskurses.

Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums äußerte sich laut Handelsblatt nicht zu einem möglichen Verkaufspreis. Sie verwies aber darauf, dass der Rahmen der EU-Kommission einen Reprivatisierungsprozess vorsehe. Außerdem solle bei dem Verfahren die Versorgungssicherheit in Deutschland und Europa berücksichtigt werden.

Aus Gazprom-Tochter wurde Sefe

Sefe hat seinen Sitz in Berlin und steht für „Securing Energy for Europe“. Das Unternehmen war früher eine Tochter des russischen Staatskonzerns Gazprom. Nach Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine geriet die Energieversorgung in Europa unter massiven Druck. Der Bund griff ein, stellte rund sechs Milliarden Euro bereit und übernahm das Unternehmen.

Die spätere Rückkehr in private Eigentümerschaft war politisch bereits angelegt. In der Regierungskoalition war grundsätzlich vereinbart worden, Sefe nicht dauerhaft beim Staat zu belassen. Mit der nun angestoßenen Suche nach Rechts- und Finanzberatung beginnt der praktische Teil dieses Vorhabens.

Bedeutung für den Gasmarkt

Sefe zählt zu den wichtigsten Akteuren auf dem deutschen Gasmarkt. Der „Spiegel“ bezeichnet das Unternehmen als größten Gasimporteur Deutschlands. Das Importvolumen liege etwa doppelt so hoch wie bei Uniper. Damit spielt der Konzern eine zentrale Rolle für die Energieversorgung.

Im Jahr 2025 erzielte Sefe dem Bericht zufolge einen Umsatz von rund 15,5 Milliarden Euro. Beschäftigt waren knapp 2.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese Größe erklärt, warum der Bund den Verkauf nicht nur als finanzpolitisches Projekt behandelt. Die Eigentümerfrage betrifft auch die Stabilität der Gasversorgung und die strategische Kontrolle über wichtige Infrastruktur.