Politik · Straße von Hormus
Beschuss auf Tanker verschärft Lage am Persischen Golf
In der Straße von Hormus ist ein Tanker von einem Geschoss getroffen worden. An Bord brach ein Feuer aus, das später gelöscht wurde. Die Besatzung blieb nach Angaben der britischen Seehandelsaufsicht in Sicherheit. Das Schiff konnte seine Fahrt fortsetzen. Der Vorfall fällt in eine Phase zunehmender Spannungen im Iran-Nahost-Konflikt und betrifft eine der wichtigsten Routen für den weltweiten Energiehandel.
Feuer an Bord gelöscht
Der Deutschlandfunk berichtete unter Berufung auf die britische Schifffahrtsbehörde, das Schiff sei in der Meerenge getroffen worden. Zur Flagge des Tankers wurden keine Angaben gemacht. Auch der Name des Schiffs wurde zunächst nicht veröffentlicht.
Die taz meldete unter Verweis auf die britische Marineaufsicht UKMTO, der Tanker sei am Donnerstag von einem unbekannten Geschoss getroffen worden. Die Behörde sei über den Vorfall informiert worden. Wer für den Angriff verantwortlich ist, blieb zunächst offen; ein Bekenntnis lag nicht vor.
Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer. Für Tanker ist sie ein Engpass von globaler Bedeutung. Störungen dort wirken deshalb weit über die Region hinaus, weil ein erheblicher Teil der internationalen Öl- und Gastransporte über diese Route läuft.
Route bleibt trotz Gefahr genutzt
Der Vorfall steht in einer Reihe von Attacken und militärischen Zwischenfällen in der Meerenge. Iranische Kräfte greifen dort nach den Berichten regelmäßig Schiffe an oder beschießen Ziele in dem Seegebiet. Der Deutschlandfunk meldete zudem, Iran blockiere die für den Welthandel wichtige Passage im Konflikt mit den USA.
Gleichzeitig bleibt die Route nicht vollständig verwaist. Der Spiegel ordnete die Lage so ein, dass wieder mehr Tanker durch die Straße von Hormus fahren, obwohl Iran in dem Gebiet wöchentlich zahlreiche Drohnen und Raketen einsetzt. Das zeigt, wie groß der wirtschaftliche Druck ist, den Engpass weiter zu nutzen, selbst wenn die Sicherheitslage angespannt bleibt.
Seit Beginn des Iran-Krieges ist der Schiffsverkehr in der Region deutlich beeinträchtigt. Die taz berichtet, die Meerenge sei seit dem 28. Februar praktisch geschlossen. Vor dem Krieg, der mit Angriffen der USA und Israels auf Iran begonnen hatte, lief ungefähr ein Fünftel des weltweit gehandelten Erdöls und Erdgases durch die Wasserstraße an der Mündung des Persischen Golfs.
Militärische Lage spitzt sich zu
Der Beschuss des Tankers fällt in eine Phase, in der die USA ihre militärische Präsenz im Nahen Osten weiter verstärken. Das Handelsblatt berichtete unter Berufung auf US-Medien, das Pentagon entsende eine weitere Flugzeugträgerkampfgruppe sowie zusätzliche Kriegsschiffe in die Region. Demnach sollen die neu beorderten Einheiten bis Ende November eintreffen.
Laut den Berichten soll die US-Truppenpräsenz um 9.000 bis 10.000 Soldaten wachsen. Das nährt Spekulationen über mögliche weitere US-Angriffe auf Iran nach den Kongresswahlen Anfang November. US-Präsident Donald Trump hatte auf die Frage nach solchen Angriffen zuletzt mit „Möglich“ geantwortet.
Auch andere Entwicklungen erhöhen die Nervosität in der Region. Nach einem Vorfall mit einer Flydubai-Maschine drohte Trump Iran für den Fall einer Beteiligung mit schweren Konsequenzen. Die Vereinigten Arabischen Emirate prüfen eine mögliche Terrortat. Israelische Angaben sehen den Copiloten der Maschine im Zentrum des Vorfalls. Diese Entwicklungen stehen nicht unmittelbar für den Tankerbeschuss, prägen aber das sicherheitspolitische Umfeld.
Bedeutung für Energiehandel
Die Straße von Hormus ist seit Jahren ein neuralgischer Punkt internationaler Politik. Der schmale Seeweg liegt zwischen Iran und Oman. Wer den Verkehr dort stört, kann Lieferketten, Energiepreise und Sicherheitsplanungen vieler Staaten beeinflussen.
Der jüngste Angriff zeigt, wie verwundbar der zivile Schiffsverkehr in dem Gebiet bleibt. Selbst wenn ein getroffenes Schiff weiterfahren kann, erhöht jeder Zwischenfall das Risiko für Reedereien, Versicherer und Staaten, die auf Energie aus der Golfregion angewiesen sind. Die Lage am Persischen Golf bleibt damit ein zentraler Schauplatz der Eskalation zwischen Iran, den USA und ihren Verbündeten.