Politik · Nahost-Konflikt
Angriffe auf Riad und am Golf heizen Krise an
Die Lage im Nahen Osten verschärft sich an mehreren Fronten zugleich: In Saudi-Arabien wurden bei einem Angriff auf den Flughafen der Hauptstadt Riad mindestens zwölf Menschen getötet, im Golf von Oman stoppte das US-Militär ein Frachtschiff nach dessen Auslaufen aus einem iranischen Hafen. In der Straße von Hormus wurde zudem erneut ein Tanker angegriffen. Die Vorfälle treffen eine Region, in der der Krieg zwischen den USA und dem Iran, der Jemen-Konflikt und der Kampf um zentrale Seewege ineinandergreifen.
Flughafen von Riad erneut Ziel
Der internationale Flughafen King Khalid in Riad ist abermals angegriffen worden. Nach Angaben der saudischen Luftfahrtbehörde starben zwölf Menschen, 309 weitere wurden verletzt. Einige Verletzte befanden sich demnach am Morgen in kritischem Zustand. n-tv berichtete, es handele sich um die höchste Zahl an Opfern bei einem Angriff auf Saudi-Arabien seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar.
Das von Saudi-Arabien geführte Militärbündnis machte die Huthi-Miliz für den Angriff verantwortlich. Der Sprecher des Bündnisses, Turki al-Maliki, bezeichnete die Attacke bei X laut n-tv als „regelrechtes Kriegsverbrechen“ und kündigte eine Reaktion an. UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich „zutiefst schockiert“ und forderte ein Ende von Angriffen auf Zivilpersonen und zivile Einrichtungen.
Der Flughafen war bereits am Donnerstag Ziel eines Angriffs gewesen. Damals kamen drei saudische Staatsangehörige ums Leben. Auch die Flughäfen von Riad und Abha waren in derselben Woche angegriffen worden. Zu der jüngsten Attacke lag zunächst keine Selbstbezichtigung der Huthi vor. Die Miliz hatte sich jedoch zuvor zu Angriffen mit ballistischen Raketen auf Ziele in Saudi-Arabien bekannt.
Washington prüft Eingreifen gegen Huthi
US-Präsident Donald Trump ließ offen, ob die Vereinigten Staaten Saudi-Arabien militärisch stärker unterstützen werden. Auf die Frage, ob sich die USA an saudischen Angriffen gegen die Huthi im Jemen beteiligen könnten, sagte er nach Angaben von CBS News: „Vielleicht. Wir werden uns das anschauen.“
US-Außenminister Marco Rubio verurteilte die Angriffe auf Saudi-Arabien scharf und erklärte, die USA stünden an der Seite des Königreichs. Die US-Vertretung in Saudi-Arabien rief Staatsangehörige dazu auf, den Flughafen King Khalid und dessen Umgebung zu meiden. Für Regierungsmitarbeiterinnen und Regierungsmitarbeiter der USA galten Einschränkungen auch für die Nutzung der Flughäfen in Dschidda und Dammam.
Der Betrieb am Flughafen King Khalid wurde nach dem Angriff vorübergehend ausgesetzt. Unter den Toten waren nach Angaben der saudischen Behörden vier Menschen aus Saudi-Arabien und zwei aus Bangladesch. Weitere Opfer stammten aus den USA, Ägypten, Jordanien, Syrien, dem Sudan und den palästinensischen Gebieten.
US-Militär stoppt Frachter im Golf
Parallel zu den Angriffen auf Saudi-Arabien eskaliert die Lage auf See. ZDFheute berichtete unter Berufung auf das US-Regionalkommando Centcom, ein US-Kampfflugzeug habe im Golf von Oman ein ziviles Frachtschiff getroffen. Die „M/V Ocean Molica“ fuhr unter panamaischer Flagge und hatte zuvor einen iranischen Hafen verlassen.
Der Treffer setzte den Antrieb außer Betrieb. Die Besatzung blieb unverletzt. Nach Darstellung von Centcom hatte der Frachter Warnungen missachtet und versucht, trotz der US-Seeblockade gegen den Iran weiterzufahren. Die USA blockieren im Krieg gegen den Iran Häfen und Küstenabschnitte, um iranische Einnahmen aus dem Ölgeschäft zu treffen.
Auch in der Straße von Hormus bleibt die Lage angespannt. Die britische Schifffahrtssicherheitsbehörde UKMTO meldete einen weiteren Angriff auf einen Tanker. An Bord brach demnach Feuer aus, die Besatzung war jedoch in Sicherheit.
Seeweg bleibt strategischer Brennpunkt
Die Straße von Hormus ist für den internationalen Energiemarkt zentral. Vor dem Krieg passierte nach Angaben von n-tv rund ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung diese Meerenge. Seit Beginn des Kriegs blockiert der Iran seinerseits den Seeweg, während die USA iranische Häfen und Küstenbereiche unter Druck setzen.
Die Folgen zeigen sich bereits im Schiffsverkehr. Angriffe auf Tanker erreichten in der vergangenen Woche den höchsten Stand seit Kriegsbeginn. Zugleich sank die Zahl der Schiffe, die die Meerenge nutzen, auf den niedrigsten Wert seit mehr als zwei Monaten. Das erhöht die Sorge vor Störungen im Handel und belastet die Rohölmärkte.
Im Hintergrund wirken mehrere Konflikte zusammen. Die Huthi kämpfen seit Jahren gegen die international anerkannte Regierung im Jemen, die von Saudi-Arabien unterstützt wird. Saudi-Arabien greift dort immer wieder aus der Luft ein. Die Huthi warfen dem Königreich zuletzt Angriffe auf den Flughafen der Hafenstadt Hudaida und weitere Gebiete vor. Mit den Attacken auf saudische Flughäfen, der Blockadepolitik im Golf und den Angriffen auf Tanker weitet sich die Krise über einzelne Schauplätze hinaus aus.