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Stündlich aktualisiert

Politik · Parteienumfrage

AfD steigt in Insa-Umfrage auf 30 Prozent

Die AfD erreicht im Insa-Sonntagstrend bundesweit 30 Prozent. Die Union fällt auf 18 Prozent, für Mehrheiten ohne AfD bliebe rechnerisch vor allem ein Dreierbündnis.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein Wahllokal steht für die aktuelle Debatte über die Umfragewerte der Parteien.
Symbolbild: Ein Wahllokal steht für die aktuelle Debatte über die Umfragewerte der Parteien. KI-generiert

Die AfD erreicht im aktuellen Insa-Sonntagstrend 30 Prozent und liegt damit deutlich vor CDU und CSU. Die Union kommt nur noch auf 18 Prozent. In der Insa-Reihe ist das für die AfD ein neuer Höchststand, für die Union ein Tiefpunkt. Der Abstand zwischen beiden Parteien wächst auf zwölf Punkte. Die Zahlen verschärfen die Debatte darüber, wie die übrigen Parteien auf den anhaltenden Aufstieg der AfD reagieren sollen.

AfD vergrößert den Vorsprung

Wie der Tagesspiegel unter Berufung auf dpa berichtet, legt die AfD gegenüber der Vorwoche um einen Punkt zu. CDU und CSU verlieren einen Punkt. Die Umfrage wurde vom Institut Insa für die „Bild“-Zeitung erstellt. Befragt wurden 1.202 Wahlberechtigte. Welt nennt als Erhebungszeitraum den 28. September bis 2. Oktober; die Befragung lief demnach telefonisch und online.

SPD und Grüne liegen in der Erhebung jeweils bei 14 Prozent. Die SPD bleibt stabil, die Grünen geben einen Punkt ab. Die Linke kommt unverändert auf 10 Prozent. FDP und BSW erreichen jeweils 4 Prozent und würden damit an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Für die sonstigen Parteien werden zusammen 6 Prozent ausgewiesen.

Andere Institute hatten ähnliche Einzelwerte bereits gemessen. Die Union lag Mitte September bei YouGov ebenfalls bei 18 Prozent, die AfD kam beim Institut GMS damals auf 30 Prozent. In jüngeren Erhebungen anderer Anbieter schnitt die AfD teils niedriger ab, während die Union dort bessere Werte erzielte. Insa gibt die maximale statistische Abweichung mit 2,9 Prozentpunkten an.

Schwierige Mehrheiten ohne AfD

Die Umfrage zeigt, wie eng die rechnerischen Optionen für eine Regierungsbildung ohne AfD werden. Eine Zweierkoalition aus den übrigen größeren Parteien hätte auf Basis dieser Werte keine Mehrheit. Eine schwarz-rote Zusammenarbeit läge zusammen bei 32 Prozent. Auch SPD, Grüne und Linke kämen zusammen nur auf 38 Prozent.

Da FDP und BSW in der Erhebung unter der Sperrklausel bleiben, würden die Mandate anders verteilt als die bloßen Prozentwerte vermuten lassen. Unter den derzeit genannten politischen Bedingungen wäre eine Mehrheit ohne AfD vor allem mit einem Bündnis aus Union, SPD und Grünen denkbar. Diese drei Parteien kommen zusammen auf 46 Prozent. AfD und Union würden gemeinsam 48 Prozent erreichen; eine solche Zusammenarbeit schließen CDU und CSU bislang politisch aus.

Auffällig ist auch die große Unzufriedenheit mit der Bundesregierung. Je 79 Prozent bewerten die Arbeit von Bundeskanzler Friedrich Merz und der Bundesregierung insgesamt negativ. Dieser Wert fällt zeitlich mit dem erneuten Rückgang der Union zusammen, die Anfang März 2025 nach Angaben von Welt noch bei 30 Prozent gelegen hatte.

Grüne räumen eigene Fehler ein

Parallel zu den neuen Umfragewerten suchen die Grünen nach einer anderen Linie im Umgang mit der AfD. Dem Spiegel liegt ein Papier der Fraktionsvorsitzenden Katharina Dröge und Britta Haßelmann vor. Darin heißt es, die bisherigen Ansätze gegen die AfD hätten „nicht gereicht“. Die Autorinnen sehen Verantwortung bei allen demokratischen Parteien, ausdrücklich auch bei den Grünen.

Dröge und Haßelmann schreiben demnach, ihre Partei dürfe nicht einfach weitermachen. Das Werben für Demokratie erreiche viele Menschen nicht mehr. Es wirke für manche zu abstrakt, während konkrete Probleme im Alltag ungelöst blieben. Besonders in strukturschwachen Regionen sehen die beiden Grünen-Politikerinnen einen Nährboden für rechtspopulistische Versprechen.

Als einen Grund für verlorenes Vertrauen nennen sie die Aufarbeitung der Corona-Zeit. Die Pandemiepolitik habe zwar Leben geschützt, zugleich seien Fehler gemacht worden. Eine ernsthafte parlamentarische Aufarbeitung hätte aus ihrer Sicht zur gesellschaftlichen Verständigung beitragen können.

Einordnung der Werte

Umfragen sind Momentaufnahmen und keine Wahlergebnisse. Dennoch markieren die Insa-Zahlen ein politisches Warnsignal, weil sie mehrere Entwicklungen bündeln: Die AfD erreicht bundesweit die 30-Prozent-Schwelle, die Union verliert weiter Abstand zur politischen Mitte, und Mehrheiten ohne die AfD werden rechnerisch komplizierter.

Die Reaktionen zeigen zudem, dass die Debatte nicht nur um Abgrenzung kreist. Bei den Grünen rückt stärker die Frage in den Mittelpunkt, ob demokratische Parteien Vertrauen durch praktisch spürbare Lösungen zurückgewinnen können. Dröge und Haßelmann bieten der schwarz-roten Koalition Zusammenarbeit bei langfristigen Themen an, etwa bei Sozialstaat, Infrastruktur, Sicherheit und Klimaschutz. Zugleich fordern sie eine andere Ansprache: weniger reine Sachargumente, mehr positive Botschaften. Am Dienstag wollen die Grünen-Fraktionsvorsitzenden ihr Papier mit der Bundestagsfraktion beraten.