Politik · Parteienlandschaft
AfD-Hoch verschärft Druck auf die Parteien
Umfragewerte um 30 Prozent für die AfD erhöhen den Druck auf die übrigen Parteien. Während ein AfD-Auftritt in Fürstenwalde am Tag der Deutschen Einheit von Polizeiermittlungen nach Angriffen auf YouTuber begleitet wurde, ringen Union, Grüne, SPD und Linke um politische Antworten auf die veränderte Lage.
Ermittlungen nach AfD-Kundgebung
In Fürstenwalde in Brandenburg kamen am Samstag zahlreiche Anhängerinnen und Anhänger der AfD zu einer öffentlichen Veranstaltung zusammen. Nach Angaben der Polizei nahmen rund 1.500 Menschen teil. Als Redner trat unter anderem Thüringens AfD-Landesvorsitzender Björn Höcke auf.
Am Rand der Veranstaltung kam es zu Auseinandersetzungen mit YouTubern, die über das Geschehen berichteten. Wie der Tagesspiegel unter Berufung auf die Deutsche Presse-Agentur berichtete, ermittelt die Polizei wegen des Verdachts der Körperverletzung und Beleidigung. Ein 23 Jahre alter YouTuber soll körperlich angegriffen worden sein. Außerdem richtet sich ein Verfahren gegen eine 38 Jahre alte Frau, die ihn beleidigt haben soll.
Auslöser des Konflikts sollen Videoaufnahmen gewesen sein. Der YouTuber habe einen Besucher der Veranstaltung gefilmt, obwohl dieser dies nicht gewollt habe. Nach Darstellung der Polizei wurde der junge Mann anschließend beleidigt; ein Begleiter der Frau soll ihn geschlagen haben. Zivilkräfte griffen ein.
Für Kritik sorgte danach das Vorgehen der Polizei. Der YouTuber durfte den Bereich der AfD-Versammlung nicht mehr betreten. Die Beamten begründeten dies mit seinem Schutz und der Vermeidung weiterer Straftaten. Der mutmaßliche Angreifer erhielt dagegen keinen Platzverweis. Die Polizei prüft nun auch intern, ob ihr Einsatz angemessen war.
Bei einem AfD-Zug durch die Stadt wurde ein weiterer YouTuber nach Polizeiangaben ebenfalls in eine körperliche Auseinandersetzung verwickelt. Der Beschuldigte erstattete eine Gegenanzeige.
CDU verlangt schnellere Reformen
Parallel wächst in der Union der Druck auf Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz. Brandenburgs CDU-Landesvorsitzender Jan Redmann forderte mehr Tempo bei den geplanten Reformen. Mehrere Vorhaben liegen im Bundestag, unter anderem zu Rente, Arbeitsmarkt und Pflege.
Der Unmut in der CDU folgt auf Niederlagen bei Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Das CDU-Präsidium will am 11. Oktober über die Konsequenzen beraten. Im Tagesspiegel verwies Redmann auf Kritik aus der Parteibasis und sprach von einem deutlichen Erwartungsdruck. Es gehe darum, Reformen nicht nur anzukündigen, sondern durchzusetzen.
Redmann sieht die rot-schwarze Koalition in Brandenburg als Beispiel für eine Politik, die stärker auf konkrete Ergebnisse setzt. Für die Bundes-CDU ist das auch eine Antwort auf die AfD-Stärke: Wenn die Partei in Umfragen weiter hoch liegt, steigt die Erwartung, dass die Regierung sichtbare Veränderungen vorlegt.
Grüne sprechen über neue Bündnisse
Auch bei den Grünen verschiebt die Lage die Debatte über Mehrheiten. Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge warb für ein Bündnis ihrer Partei mit SPD und Linken auf Bundesebene. In einem Interview mit der Zeit, über das die Welt berichtete, sagte sie mit Blick auf soziale Themen: „Die Mitte tickt eigentlich links.“
Dröge sieht Schnittmengen bei Fragen wie Vermögensbesteuerung, bezahlbaren Mieten, Kinderarmut und Klimaschutz. Zugleich schloss sie Schwarz-Grün nicht aus. Sie stellte beide Varianten als politische Projekte mit Erneuerungsanspruch dar, während sie einer großen Koalition aus Union und SPD Stillstand vorwarf.
In Berlin laufen zugleich Gespräche zwischen Linken, Grünen und SPD. Die Linke hatte die Abgeordnetenhauswahl am 20. September gewonnen und strebt eine Regierung mit Grünen und SPD an. Alternativ hätte auch ein Bündnis aus CDU, Grünen und SPD eine Mehrheit. Streitpunkte bleiben unter anderem die Haltung zur Enteignung großer Wohnungskonzerne sowie Vorwürfe gegen Teile der Linken.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche von der CDU warnte in der Bild am Sonntag vor einem Bündnis mit der Linken in Berlin. Sie sieht Risiken für den Wirtschaftsstandort und den Schutz von Eigentum.
Politische Lager unter Druck
Das AfD-Hoch zwingt die demokratischen Parteien zu strategischen Entscheidungen. Die Union setzt auf Reformtempo und Regierungsfähigkeit. Die Grünen diskutieren Bündnisse links der Mitte ebenso wie Schwarz-Grün. SPD und Linke werden in mögliche Mehrheiten einbezogen, stehen aber vor inhaltlichen Konflikten.
Der Vorfall in Fürstenwalde zeigt zusätzlich, wie angespannt politische Veranstaltungen rund um die AfD sein können. Neben der parteipolitischen Auseinandersetzung geht es dabei auch um den Schutz von Berichterstattung, den Umgang mit Protest und die Rolle der Polizei bei Konflikten am Rand solcher Versammlungen.