Panorama · Oktoberfest
Wiesn endet mit Debatte über Sexualdelikte
Nach dem Ende des Oktoberfests in München steht neben der Festbilanz auch die Sicherheit von Besucherinnen im Mittelpunkt. Die Polizei registrierte in diesem Jahr 80 Sexualdelikte auf der Wiesn. Im Vorjahr waren es 72. ZDFheute berichtete zudem über den Fall einer 23-jährigen Frau, die bei ihrem Wiesn-Besuch sexualisierte Gewalt erlebt haben soll.
Mehr angezeigte Fälle als im Vorjahr
Die Zahl der polizeilich erfassten Sexualdelikte ist damit gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Dabei geht es um Vorwürfe, die bei der Polizei bekannt wurden. Fachleute und Hilfsangebote gehen bei sexualisierter Gewalt regelmäßig von einer höheren Dunkelziffer aus, weil viele Betroffene keine Anzeige erstatten.
Aufmerksamkeit erregten in diesem Jahr auch Videos vom Teufelsrad, die in sozialen Netzwerken verbreitet wurden. Dabei sollen Frauen während der Fahrt unter den Rock gefilmt worden sein. Solches sogenannte Upskirting ist seit 2021 strafbar.
Hilfsangebote wie die Aktion „Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen“ sehen in der höheren Zahl registrierter Fälle nicht zwingend einen Beleg für mehr Übergriffe. Sie verweisen vielmehr auf eine veränderte Anzeigebereitschaft. Demnach könnten mehr Betroffene Vorfälle melden als früher.
Betroffene schildert Übergriff
ZDFheute schilderte den Fall einer 23-jährigen Frau, die mit Freundinnen und Freunden auf dem Festgelände unterwegs war. Sie habe sich zunächst sicher gefühlt, weil sie nicht allein gewesen sei und viele Menschen in der Nähe gewesen seien. In einem Biergarten vor einem Festzelt sei es dann zu einem Übergriff durch einen stark alkoholisierten Mann gekommen.
Nach ihrer Darstellung habe der Mann sie zunächst am Oberschenkel berührt. Später habe er sie von hinten umfasst, ihre Brüste angefasst und sie auf die Wange geküsst. Die Frau sagte ZDFheute, Alkohol entschuldige ein solches Verhalten nicht. Sie habe das Oktoberfest danach nicht erneut besucht.
Nach dem Vorfall hätten andere Männer am Tisch geholfen, den mutmaßlichen Täter im Blick zu behalten und weitere Übergriffe zu verhindern. Eine Freundin habe ihr geraten, die Polizei einzuschalten, damit der Vorfall erfasst werde.
Hilfsstelle fordert klare Verantwortung
Die Aktion „Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen“ unterstützt Frauen in Notlagen auf dem Oktoberfest. Dazu gehören Beratung, Begleitung und praktische Hilfe. Lisa Löffler von der Aktion sagte ZDFheute, seit der Me-Too-Debatte gebe es ein stärkeres Bewusstsein für sexualisierte Gewalt.
Zugleich kritisierte sie Schuldzuweisungen an Betroffene. Immer wieder werde gefragt, ob eine Frau zu viel getrunken habe. Löffler betonte, die Verantwortung liege beim Täter. Männer könnten zudem eingreifen, wenn sie Belästigung oder Bedrohung wahrnehmen.
Sexualisierte Gewalt umfasst nicht nur Vergewaltigung, sexuelle Nötigung oder Missbrauch. Auch unerwünschte Berührungen, sexuelle Belästigung, obszöne Gesten und entsprechende Äußerungen zählen dazu. Betroffen sein können Frauen, Mädchen, nicht-binäre Personen und auch Männer.
Sicherheit bleibt ein Wiesn-Thema
Das Oktoberfest ist für München ein Ausnahmezustand. Auf dem Festgelände und im Umfeld sind Polizei, Sicherheitsdienste und soziale Einrichtungen im Einsatz. Gerade bei großen Menschenmengen, Alkohol und dicht gedrängten Zelten bleibt Prävention ein zentrales Thema.
Die gestiegene Zahl der registrierten Sexualdelikte dürfte die Debatte über Schutzkonzepte, Anlaufstellen und Zivilcourage weiter verstärken. Hilfsangebote setzen dabei nicht nur auf Unterstützung nach einem Vorfall. Sie wollen Betroffene möglichst früh erreichen und gefährliche Situationen verhindern.