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Stündlich aktualisiert

Panorama · Angriff im Cockpit

Verletzter Flydubai-Pilot rettet Maschine nach Angriff

Auf einem Flug von Dubai nach Tel Aviv soll der Copilot den Kapitän attackiert haben. Trotz schwerer Verletzungen öffnete Smit Machchhar das Cockpit; die Boeing landete in Saudi-Arabien.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Eine Passagiermaschine auf einem Flughafen nach einem sicherheitsrelevanten Zwischenfall.
Symbolbild: Eine Passagiermaschine auf einem Flughafen nach einem sicherheitsrelevanten Zwischenfall. KI-generiert

Der indische Flydubai-Kapitän Smit Machchhar hat auf einem Flug von Dubai nach Tel Aviv trotz schwerer Stichverletzungen eine Katastrophe abgewendet. Nachdem ihn der Copilot am Mittwoch im Cockpit attackiert haben soll, öffnete Machchhar die Tür zum Passagierraum. Reisende kamen nach vorn und setzten den mutmaßlichen Angreifer außer Gefecht. Die Boeing 737 mit 182 Menschen an Bord wurde nach Tabuk im Nordwesten Saudi-Arabiens umgeleitet und dort sicher gelandet. Nach taz-Angaben übernahm dabei eine zufällig mitreisende zweite Besatzung die Landung.

Kapitän schildert dramatische Minuten

Machchhar wird inzwischen in Abu Dhabi medizinisch versorgt. In einem Videogespräch mit Indiens Premierminister Narendra Modi beschrieb er, wie er nach der Attacke am Boden lag und dennoch wahrnahm, dass die Maschine stark an Höhe verlor. ZDFheute berichtete, der Kapitän habe den Moment, in dem er sich trotz seiner Verletzungen aufrichtete, als seinen „letzten Kraftakt“ bezeichnet.

Der Pilot sagte demnach auch, seine Erfahrung habe ihm geholfen, die Lage der Maschine einzuschätzen. Er sei seit vielen Jahren im Cockpit tätig und könne selbst ohne Sicht erkennen, was ein Flugzeug mache. In den Minuten nach dem Angriff habe er ein hinduistisches Gebet gesprochen, das traditionell um Stärke und Mut bittet.

Machchhar arbeitet laut seinem öffentlich einsehbaren Berufsprofil seit etwa vier Jahren für Flydubai. Zuvor war er elf Jahre bei einer indischen Billigfluggesellschaft beschäftigt, unter anderem als Ausbilder und verantwortlicher Kapitän. Dort sammelte er mehr als 9.750 Flugstunden.

Verdächtiger in die Emirate gebracht

Der mutmaßliche Angreifer besitzt nach Angaben des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu die omanische Staatsbürgerschaft. Er wurde zunächst in Saudi-Arabien festgehalten und vernommen. Später kam er in die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Behörden dort haben Ermittlungen eingeleitet.

Das Motiv ist nicht abschließend geklärt. Israels Regierung geht von einem dschihadistisch motivierten Terroranschlag aus. Auch ein hochrangiger Regierungsvertreter der Vereinigten Arabischen Emirate sprach im Zusammenhang mit der Attacke von Terrorismus. Der Tagesspiegel berichtet unter Berufung auf ABC News, der Verdächtige kooperiere mit Ermittlern und habe angedeutet, er habe die Maschine über Israel abstürzen lassen wollen.

Frühere Warnhinweise im Fokus

Besondere Aufmerksamkeit richtet sich nun auf die berufliche Vorgeschichte des Copiloten. Nach Berichten mehrerer US-Medien, auf die sich der Tagesspiegel stützt, soll er bei Oman Air bereits zuvor wegen Sicherheitsbedenken aufgefallen sein. ABC News meldete demnach, der Mann sei dort suspendiert worden, nachdem er als Risiko eingestuft worden sei. Bei ihm sei 2024 extremistisches Material festgestellt worden, als er sich in der Ausbildung zum Copiloten befunden habe.

Auch CNN soll ähnliche Informationen erhalten haben. Das Wall Street Journal berichtete demnach, der Mann sei im Oman zeitweise mit einem Flugverbot belegt worden, weil Sorge über radikale ideologische Ansichten bestanden habe. Zugleich soll er weiterhin in einer Verwaltungsfunktion bei der Airline tätig gewesen sein. Ermittler prüfen, wie er später für Flydubai fliegen konnte.

Folgen für Flugverkehr und Sicherheit

Der Vorfall hat bereits Auswirkungen auf Verbindungen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten. ZDFheute meldete, die israelische Fluggesellschaft El Al habe für Freitag geplante Rückholflüge aus Dubai gestrichen. Als Grund nannte das Unternehmen den Entzug der Landeerlaubnis in Dubai. Ab Sonntag sollen demnach neue Flüge angeboten werden; auch weitere israelische Airlines sollen Menschen zurückbringen.

In der Luftfahrt rückt zugleich die Frage in den Mittelpunkt, wie Besatzungen auf extreme Gewalt im Cockpit vorbereitet sind. Der Leiter der neuseeländischen Flugschule Mainland Air, Philip Kean, erklärte laut taz, Pilotinnen und Piloten lernten zwar den Umgang mit Ausfällen von Crewmitgliedern. Ein Angriff mit einer Waffe durch einen Kollegen gehöre jedoch üblicherweise nicht zu den Szenarien der Ausbildung.