Panorama · Flugalarm in Nürnberg
Tippfehler könnte Entführungsalarm ausgelöst haben
Nach dem Entführungsalarm rund um einen Ferienflug von Korfu nach Nürnberg verdichten sich die Hinweise auf ein Versehen im Cockpit. Ein Pilot der Boeing 737-800 soll nach bisherigem Ermittlungsstand einen Ausfall der Funkverbindung anzeigen wollen, gab aber offenbar den Code 7500 ein. Diese Zahlenfolge steht in der Luftfahrt für eine mögliche Entführung. Der Alarm löste am Dienstag einen umfangreichen Einsatz von Polizei und Militär aus.
Ermittler sehen Hinweis auf Versehen
Wie der Spiegel unter Berufung auf die Deutsche Presse-Agentur berichtet, war die Maschine nach dem Start auf der griechischen Insel Korfu für die Flugsicherung nicht mehr normal ansprechbar. Nach Angaben der Polizei lag zugleich ein Defekt am Funkgerät vor. In dieser Lage wurde über den Transponder der Code 7500 übermittelt.
Der Pilot soll eigentlich einen Funknotfall anzeigen wollen. Dem Mann sei der Fehler nach Einschätzung der Polizei zunächst wohl nicht aufgefallen. Polizeisprecher Michael Petzold erklärte zudem, dass ein solcher Transpondercode nach dem Senden nicht einfach rückgängig gemacht werden könne. Gegen den Piloten werde nicht ermittelt, weil die Behörden nicht von einer absichtlichen Handlung ausgehen.
Der Fall zeigt, wie sensibel Luftverkehr und Sicherheitsbehörden auf digitale Notsignale reagieren. Der Code 7500 ist international als Hinweis auf eine mögliche widerrechtliche Übernahme eines Flugzeugs bekannt. Sobald er ausgesendet wird, müssen Einsatzkräfte vom Ernstfall ausgehen, auch wenn sich später eine andere Erklärung ergibt.
Polizei bereitete Ernstfall vor
Am Flughafen Nürnberg liefen nach dem Signal umfangreiche Vorbereitungen an. Eingesetzt wurden unter anderem eine Verhandlungsgruppe, die für Gespräche in Entführungslagen geschult ist, sowie das Unterstützungskommando der bayerischen Polizei. Die Kräfte mussten innerhalb kurzer Zeit Maßnahmen für ein Szenario treffen, das sich erst nach der Landung sicher einordnen ließ.
Der Tagesspiegel zitierte Petzold mit den Worten: „Es war schon eine extrem hervorragende Leistung.“ Zwischen dem Notsignal und der Ankunft in Nürnberg habe weniger als eine Stunde gelegen. In dieser Zeit hätten sich die beteiligten Stellen auf eine potenziell gefährliche Lage einstellen müssen.
Dass zunächst der schlimmste Fall angenommen wurde, ist bei einem 7500-Signal Teil der Sicherheitslogik. Die Behörden können in der Luft nicht sicher prüfen, ob ein tatsächlicher Angriff, ein technischer Fehler oder eine Fehleingabe vorliegt. Deshalb werden parallel polizeiliche und militärische Verfahren aktiviert.
Kampfjets begleiteten die Maschine
Der Alarm blieb nicht auf Deutschland beschränkt. Bereits im kroatischen Luftraum wurde das Flugzeug von Militärmaschinen begleitet. Auch Abfangjäger des österreichischen Bundesheeres wurden alarmiert. Über Deutschland übernahmen zwei Eurofighter des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 die Begleitung bis Nürnberg.
Solche Maßnahmen dienen dazu, die Lage aus der Luft zu beobachten und bei Bedarf schnell reagieren zu können. Für die Passagiere und die Öffentlichkeit kann der Einsatz bedrohlich wirken, doch er folgt festen Abläufen für Luftnotlagen. Entscheidend war in diesem Fall, dass die Maschine Nürnberg erreichte und der Alarm danach als möglicher Fehlalarm eingeordnet werden konnte.
Ein Signal mit großer Wirkung
Der Vorfall hat in Nürnberg für erhebliche Verunsicherung gesorgt, weil der Entführungscode sofort weitreichende Sicherheitsketten auslöst. Zugleich deutet die bisherige Darstellung darauf hin, dass kein gezielter Angriff auf das Flugzeug vorlag. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Kombination aus defekter Funktechnik und einer möglichen falschen Eingabe.
Für die Sicherheitsbehörden bleibt der Einsatz dennoch ein Beispiel dafür, wie schnell ein technisches oder menschliches Versehen eine komplexe Lage erzeugen kann. Der Ablauf zeigt auch, weshalb bei Luftnotlagen zunächst nicht abgewartet wird. Ein kurzer Code genügt, um Polizei, Flughafen und Luftwaffe in Alarmbereitschaft zu versetzen.