Zum Inhalt springen
Stündlich aktualisiert

Panorama · Vorfall bei Flydubai

Terrorverdacht nach Axtangriff im Flydubai-Cockpit

Ein Copilot soll auf dem Flug von Dubai nach Tel Aviv den Kapitän mit einer Axt attackiert haben. Emiratische Ermittler sprechen von einem geplanten Terrorakt.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Eine Passagiermaschine auf einem Flughafen steht für den sicher beendeten Flydubai-Flug nach dem Vorfall im Cockpit.
Symbolbild: Eine Passagiermaschine auf einem Flughafen steht für den sicher beendeten Flydubai-Flug nach dem Vorfall im Cockpit. KI-generiert

Die Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate stufen den Angriff im Cockpit eines Flydubai-Flugs inzwischen als mutmaßlichen Terrorfall ein. Ein 29 Jahre alter Copilot aus Oman soll auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv den indischen Kapitän Smit Machchhar mit einer Rettungsaxt attackiert und versucht haben, die Kontrolle über die Boeing 737 zu erlangen. Reisende überwältigten den Verdächtigen, eine zweite Besatzung brachte die Maschine in Saudi-Arabien sicher zu Boden.

Angriff während des Flugs

Der Vorfall ereignete sich am Mittwoch auf Flug FZ1073. An Bord befanden sich mehr als 170 Menschen, viele von ihnen israelische Passagiere. Die Maschine war auf dem Weg nach Tel Aviv, als es im Cockpit zu der Attacke kam. Nach Darstellung der emiratischen Generalstaatsanwaltschaft war der Angriff Teil einer geplanten „terroristischen Tat“ beziehungsweise eines „Terrorakts“.

Der schwer verletzte Kapitän Machchhar schilderte später, der Copilot habe zunächst darum gebeten, im Cockpit beten zu dürfen. Das sei für ihn nicht ungewöhnlich gewesen. Währenddessen habe er aus Respekt nach vorn geschaut. Kurz darauf habe ihn ein heftiger Schlag am Hinterkopf getroffen, weitere Schläge seien gefolgt. Der Tagesspiegel berichtete unter Berufung auf AFP, Machchhar habe trotz seiner Verletzungen die Cockpittür geöffnet. Dadurch konnten Passagiere eingreifen.

Nach Angaben israelischer Behörden verlor die Maschine in sehr kurzer Zeit stark an Höhe. Schließlich gelang es, den Copiloten aus dem Cockpit zu bringen und festzuhalten. Eine zweite Crew, die sich in der Kabine befand, übernahm anschließend die Steuerung. Das Flugzeug wich nach Tabuk in Saudi-Arabien aus und landete dort sicher.

Kapitän im Krankenhaus

Machchhar wird in den Vereinigten Arabischen Emiraten medizinisch behandelt. Sein Zustand gilt als stabil. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu telefonierte am Samstag mit ihm und bezeichnete ihn laut Tagesspiegel als „wahren Helden“. Netanjahu lud den Piloten nach Israel ein und brachte ihn für eine besondere Rolle bei den Feiern zum israelischen Unabhängigkeitstag im kommenden Mai ins Gespräch.

Auch Indiens Premierminister Narendra Modi würdigte Machchhar. Er erklärte, der Pilot habe geholfen, eine schwere Katastrophe zu verhindern. Nach israelischen Medienberichten leistete ein Zahnarzt unter den Passagieren noch im Cockpit Erste Hilfe und stoppte eine starke Blutung des Kapitäns.

Fragen zum Verhalten an Bord

Neue Passagierberichte werfen zusätzliche Fragen zur Lage nach der Überwältigung des Verdächtigen auf. Welt berichtete unter Berufung auf die Washington Post, mehrere Reisende hätten geschildert, Crewmitglieder hätten sie aufgefordert, den bereits gefesselten Copiloten wieder freizulassen. Die Passagiere hätten dies abgelehnt und den Mann weiter bewacht.

Ein Passagier berichtete zudem, ein Mann sei über die am Boden ringenden Personen hinweg in Richtung Cockpit gelangt und habe dort geholfen, das Flugzeug unter Kontrolle zu bringen. Später sei ein weiterer Pilot hinzugekommen. Die Cockpittür sei anschließend geschlossen worden, damit niemand mehr hineingelangen konnte. Flydubai äußerte sich zu den einzelnen Schilderungen nicht und verwies auf die laufenden Ermittlungen sowie die Zusammenarbeit mit den Behörden.

Ermittlungen zu Vorgeschichte und Motiv

Der Verdächtige befindet sich in den Emiraten in Gewahrsam und soll mit den Ermittlern kooperieren. Geprüft werden sein Motiv, mögliche Kontakte zu extremistischen Gruppen und digitale Spuren. ZDF berichtete unter Berufung auf US-Medien, der Mann sei bei einem früheren Arbeitgeber im Oman wegen Sicherheitsbedenken aufgefallen. Dort soll extremistisches Material festgestellt worden sein; später habe er eine Tätigkeit außerhalb des Cockpits ausgeübt.

Ermittler gehen auch der Frage nach, wie der Copilot anschließend bei Flydubai wieder fliegen konnte. Nach Informationen aus den USA soll er angedeutet haben, das Flugzeug in Israel zum Absturz bringen zu wollen. Ein direkter Beleg für eine organisatorische Anbindung an eine Terrorgruppe ist bislang nicht bekannt.

Zusätzliche Aufmerksamkeit richtet sich auf Beiträge in sozialen Netzwerken, die nach dem Vorfall auf Konten des Verdächtigen erschienen sein sollen. Darin sollen unter anderem Bilder aus einem Cockpit sowie Bezüge zu früheren Dschihadisten aufgetaucht sein. Untersucht wird, ob diese Inhalte vorbereitet und automatisch veröffentlicht wurden. Welt berichtete außerdem über Reaktionen aus dem Umfeld von Al-Qaida-Unterstützern, die den Vorfall propagandistisch aufgriffen. Die Ermittlungen dauern an.