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Stündlich aktualisiert

Panorama · Todesstrafe in Tennessee

Tennessee stoppt Hinrichtungen nach missglückter Exekution

Christa Pike überlebt in Tennessee zwei Dosen Pentobarbital. Die 50-Jährige liegt im Krankenhaus, der Leiter der Strafvollzugsbehörde gibt sein Amt ab.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein leerer Gefängnisflur steht für die Debatte über Hinrichtungen in den USA.
Symbolbild: Ein leerer Gefängnisflur steht für die Debatte über Hinrichtungen in den USA. KI-generiert

Nach dem fehlgeschlagenen Versuch, Christa Pike im US-Bundesstaat Tennessee mit einer Giftspritze hinzurichten, zieht der Fall weitere Konsequenzen nach sich. Die 50-Jährige überlebte am Mittwochabend Ortszeit zwei verabreichte Dosen Pentobarbital und wird in einem Krankenhaus in Nashville maschinell beatmet. Gouverneur Bill Lee setzte weitere Hinrichtungen bis zum Jahresende aus und ordnete eine unabhängige Untersuchung an. Der Leiter der Strafvollzugsbehörde, Frank Strada, will sein Amt noch im Oktober niederlegen.

Zwei Dosen ohne tödliche Wirkung

Pike sollte nach dem Hinrichtungsprotokoll Tennessees mit Pentobarbital getötet werden. Das Mittel wird in mehreren US-Bundesstaaten für Exekutionen per Injektion eingesetzt. ZDFheute berichtete, Pike habe am 30. September zwei Dosen erhalten; die genaue Ursache dafür, dass die Vollstreckung nicht zum Tod führte, ist bislang nicht geklärt.

Ihre Anwälte erklärten in einem am Freitag eingereichten Gerichtsdokument, Pike sei weiter ohne Bewusstsein. Medizinisches Personal versuche, ihr Leben zu erhalten und den Wirkstoff aus ihrem Körper zu entfernen. Ihr Zustand wird als kritisch beschrieben.

Im Zentrum der Prüfung steht offenbar die Frage, ob das Medikament vollständig in die Blutbahn gelangte. Nach Darstellung der Verteidigung gab es vor der Injektion erhebliche Schwierigkeiten, einen Venenzugang zu legen. Pikes Anwalt Randy Spivey schilderte laut Tagesschau, er habe in einem Arm mehrere Einstichstellen gezählt. In dem Antrag der Anwälte ist zudem von Schwellungen und Verletzungen an beiden Armen die Rede. Sachverständige verweisen darin auf die stark alkalische Wirkung von Pentobarbital, wenn es nicht korrekt in eine Vene gelangt.

Behördenchef kündigt Rückzug an

Gouverneur Lee gab am Samstag bekannt, Strada habe seinen Rücktritt eingereicht. Der Behördenleiter werde sein Amt noch in diesem Monat verlassen. Strada vertritt zugleich die Auffassung, seine Behörde habe nach dem geltenden Verfahren gehandelt. Während der Untersuchung sei sein Rückzug dennoch angemessen.

Lee hatte bereits am Donnerstag weitere Vollstreckungen in Tennessee für den Rest des Jahres gestoppt. Damit reagierte er auf den Vorfall, der in den USA eine neue Debatte über die Todesstrafe und die Durchführung von Hinrichtungen ausgelöst hat. Wer Strada vorübergehend ersetzen soll, soll später entschieden werden.

Der Fall ist auch deshalb außergewöhnlich, weil das Protokoll eine zweite Dosis als Reserve vorsieht. Eine weitere Gabe ist danach nicht vorgesehen. Pike blieb jedoch auch nach der zweiten Dosis am Leben. Tennessee hatte erst im Mai eine andere Hinrichtung abbrechen müssen, weil die nötigen venösen Zugänge nicht erfolgreich gelegt werden konnten. Damals wurde das tödliche Mittel nicht verabreicht.

Frühere Probleme bei Hinrichtungen

In den vergangenen Tagen richtete sich Kritik auch auf Ausbildung und Erfahrung der beteiligten Personen. US-Medien beschäftigten sich mit dem Arzt, der bei der Exekution beteiligt war. Er war nach Angaben mehrerer Berichte auch beim abgebrochenen Vollstreckungsversuch im Mai anwesend. Damals scheiterte unter anderem das Legen eines zentralen Venenkatheters.

Das Death Penalty Information Center zählt seit 1976 Dutzende problematische oder fehlgeschlagene Hinrichtungen in den USA. Ein großer Teil davon betrifft die Giftspritze. Nach Angaben der Organisation wurden seit der Wiederzulassung der Todesstrafe 18 Frauen in den Vereinigten Staaten hingerichtet. Pikes Vollstreckung wäre in Tennessee die erste Hinrichtung einer Frau seit mehr als zwei Jahrhunderten gewesen.

Verurteilung wegen Mordes

Pike wurde wegen des Mordes an Colleen Slemmer verurteilt. Slemmer war 19 Jahre alt. Pike war zur Tatzeit 18. Mehrere Berichte nennen 1996 als Jahr des Todesurteils; n-tv gibt 1995 an. Die Tat ereignete sich 1995 in der Nähe der University of Tennessee in Knoxville.

Nach Angaben des Death Penalty Information Center war Pike die einzige der drei beteiligten Jugendlichen, die ein Todesurteil erhielt. Ihr damaliger Freund war 17 Jahre alt und wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Eine weitere Beteiligte bekam eine Bewährungsstrafe.

Pikes Anwälte hatten Gouverneur Lee aufgefordert, die Strafe umzuwandeln. Er lehnte eine Begnadigung vor dem geplanten Termin ab. Menschenrechtsgruppen und Experten der Vereinten Nationen hatten zuvor ebenfalls einen Stopp der Vollstreckung verlangt. Ob Tennessee zu einem späteren Zeitpunkt erneut versuchen wird, das Urteil zu vollstrecken, ist offen.