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Stündlich aktualisiert

Panorama · Unglück am Horn

Mindestens 139 Tote bei Bootsunglück vor Dschibuti

Vor Dschibuti ist ein Boot mit rund 305 Menschen gekentert. Mindestens 139 Menschen starben, viele weitere werden vermisst.

Presseonline-Redaktion · · 2 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein leeres Boot vor einer kargen Küste steht für die gefährliche Überfahrt zwischen Dschibuti und Jemen.
Symbolbild: Ein leeres Boot vor einer kargen Küste steht für die gefährliche Überfahrt zwischen Dschibuti und Jemen. KI-generiert

Bei einem schweren Bootsunglück vor der Küste Dschibutis sind mindestens 139 Menschen ums Leben gekommen. Das Boot war mit etwa 305 Menschen unterwegs Richtung Jemen, als es in der Nacht zu Freitag nördlich der Hafenstadt Obock kenterte. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration überlebten mehr als 80 Menschen. Viele Passagiere werden weiter vermisst.

Boot kenterte nahe Obock

Die Route führt von Dschibuti über die Meerenge Bab al-Mandab auf die arabische Halbinsel. Sie gilt als eine der gefährlichen Migrationsstrecken zwischen dem Horn von Afrika und den Golfstaaten. Laut n-tv befanden sich unter den Toten 15 Kinder. Die Überlebenden seien nach UN-Angaben äthiopische Staatsangehörige.

Dschibutische Behörden setzten Such- und Rettungsarbeiten fort. ZDF berichtete, zunächst seien 109 Leichen geborgen worden. Später nannten mehrere Berichte unter Berufung auf die IOM mindestens 139 Todesopfer. Bei den Vermissten unterscheiden sich die Zahlen: Deutschlandfunk meldete 84 Vermisste, während die Tagesschau von mehr als 116 Menschen berichtete, die noch nicht gefunden seien.

Die IOM betreute nach ZDF-Angaben einen Teil der Geretteten in Obock. Der Missionsleiter der Organisation in Dschibuti, Alexandre Coissac, sprach laut n-tv von einem „verheerenden Verlust an Menschenleben“. Helfer arbeiteten demnach gemeinsam mit örtlichen Behörden an der Versorgung der Überlebenden.

Gefährliche Passage nach Jemen

Dschibuti ist für viele Menschen aus Ostafrika ein Ausgangspunkt auf dem Weg in Richtung arabische Halbinsel. Von dort versuchen sie, über den Jemen weiter in Staaten wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate oder Oman zu gelangen. Viele hoffen dort auf Arbeit, Sicherheit und bessere Lebensbedingungen.

Die Überfahrt bleibt riskant, obwohl auch der Jemen selbst von Gewalt geprägt ist. Die IOM verweist neben den Gefahren auf See auch auf Risiken nach der Ankunft. Dazu zählen Gewalt, Ausbeutung, willkürliche Festnahmen, Inhaftierung und Menschenhandel.

Zuletzt waren nach Angaben der Organisation innerhalb von drei Wochen mehr als 20.000 Migrantinnen und Migranten aus Äthiopien in Dschibuti angekommen. Auch Menschen aus Somalia nutzen diese Strecke immer wieder. Die IOM-Generaldirektorin Amy Pope forderte nach dem Unglück sichere und legale Wege für Migration und appellierte an Regierungen sowie Geldgeber, stärker zu handeln.

Mehr als 900 Tote im Vorjahr

Die Passage über Bab al-Mandab ist seit Jahren von Unglücken geprägt. Nach IOM-Angaben starben im Jahr 2025 auf dieser Route mehr als 900 Menschen oder gelten als vermisst. Gleichzeitig stieg die Zahl der Menschen, die sich auf den Weg machten, um 18 Prozent.

Auch 2026 gab es bereits ein weiteres schweres Unglück auf dieser Strecke. Im März starben neun Menschen, 45 weitere wurden vermisst. Das aktuelle Unglück zählt nach Darstellung der Vereinten Nationen zu den schwersten Tragödien auf der Route seit Jahren.

Die Meerenge Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden. Für Migrantinnen und Migranten aus Ostafrika ist sie ein schmaler, aber gefährlicher Übergang in Richtung Jemen. Viele nehmen die Fahrt trotz überfüllter Boote und unsicherer Bedingungen auf sich, weil sie in ihrer Heimat kaum Perspektiven sehen oder vor Unsicherheit und Armut fliehen.