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Stündlich aktualisiert

Panorama · Cyberangriff in Frankreich

Hackerangriff trifft Kühlanlagen in Supermärkten

In Frankreich haben Cyberkriminelle Kühltechnik in hunderten Supermärkten manipuliert. Waren verdarben, teils überhitzten Anlagen stark.

Presseonline-Redaktion · · 2 Min. Lesezeit

Symbolbild: Vernetzte Kühlanlagen in Supermärkten können bei Cyberangriffen zum Risiko für Warenbestände werden.
Symbolbild: Vernetzte Kühlanlagen in Supermärkten können bei Cyberangriffen zum Risiko für Warenbestände werden. KI-generiert

Ein Cyberangriff hat in Frankreich hunderte Supermärkte getroffen und dort die Kühltechnik gestört. Betroffen sind vor allem Filialen von Intermarché sowie Geschäfte der Coopérative U. Kühlanlagen fielen aus oder wurden offenbar so manipuliert, dass Temperaturen von bis zu 50 Grad erreicht wurden. Dadurch müssen Waren entsorgt werden, der wirtschaftliche Schaden könnte sehr hoch ausfallen.

Kühltechnik außer Kontrolle

Der Angriff ereignete sich in der Nacht von Sonntag auf Montag. Beschäftigte in Frühschichten bemerkten die Störungen in den Märkten. Nach Angaben, die agrarheute unter Berufung auf AFP wiedergab, sind bis zu 200 Intermarché-Filialen und etwa 100 Läden der Coopérative U betroffen. Die FAZ berichtete von 150 betroffenen Intermarché-Standorten. In beiden Darstellungen geht es um einen Angriff auf vernetzte Kühlsysteme in großem Umfang.

Die Folgen sind für den Lebensmittelhandel gravierend. Wenn Kühlketten unterbrochen werden, können Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Tiefkühlware und weitere empfindliche Produkte nicht mehr verkauft werden. Viele Bestände müssen dann vorsorglich vernichtet werden. In einzelnen Filialen kam es den Berichten zufolge auch zu Bränden. Details zu Verletzten werden nicht genannt.

Der Intermarché-Chef Thierry Cotillard sagte gegenüber BFMTV, der Angriff könne landesweit an nur einem Tag Verluste von „zig Millionen Euro“ verursachen. Eine abschließende Schadenssumme liegt noch nicht vor.

Ermittlungen zur Schwachstelle

Die französische Cybersicherheitsbehörde ANSSI ist mit den Ermittlungen befasst. Im Mittelpunkt steht eine Sicherheitslücke in Software zur Kontrolle von Kälteanlagen. Die Software stammt vom dänischen Unternehmen Danfoss. Das Unternehmen verwies auf ältere Systeme und fehlende Aktualisierungen. Bereits 2025 habe es auf Schwächen bei veralteten Installationen hingewiesen.

Solche Steuerungen gehören zur technischen Infrastruktur moderner Supermärkte. Sie regeln Temperaturen, überwachen Anlagenzustände und schlagen Alarm, wenn Grenzwerte überschritten werden. Werden solche Systeme angegriffen, kann der Schaden sehr schnell entstehen. Bei Lebensmitteln zählt jede Stunde, weil verdorbene Ware nicht nachträglich wieder in den Verkauf gebracht werden darf.

Der Vorfall zeigt auch, wie stark der Einzelhandel von digital vernetzten Gebäudetechniken abhängig ist. Kühlung, Energieverbrauch und Warenlagerung werden häufig zentral überwacht. Das erleichtert den Betrieb vieler Filialen, erhöht aber zugleich die Folgen eines erfolgreichen Angriffs.

Weitere Fälle im Ausland

Frankreich ist nicht der einzige Fall, in dem Angriffe oder Sicherheitsprobleme bei technischer Infrastruktur des Handels bekannt wurden. Der niederländische Handelskonzern Ahold Delhaize, Betreiber von Albert Heijn und auch in den USA aktiv, meldete laut Reuters ein Sicherheitsproblem im eigenen Netzwerk. Mehrere Systeme seien vorsorglich abgeschaltet worden.

Auch aus Israel wurde im Mai ein Angriff auf eine Kälteanlage bekannt. Dort wurden Alarmwerte und Steuerungseinstellungen verändert. In der Folge wurden Verdichter beschädigt oder zerstört, Kohlendioxid trat über Sicherheitsventile aus, und die Reparatur dauerte mehrere Tage. Die Täter wurden nicht identifiziert; vermutet wurden staatliche Akteure.

Für Supermärkte ist der Vorfall in Frankreich deshalb mehr als ein technisches Problem einzelner Filialen. Kühlanlagen sind Teil der Versorgungskette. Wenn sie ausfallen oder falsch gesteuert werden, entstehen nicht nur Reparaturkosten, sondern auch hohe Warenverluste. Der Angriff macht sichtbar, dass Cybersicherheit im Lebensmittelhandel nicht allein Kassensysteme und Kundendaten betrifft, sondern auch die physische Lagerung verderblicher Produkte.