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Stündlich aktualisiert

Panorama · Cyberangriff in Frankreich

Hacker legen Kühlanlagen in Supermärkten lahm

In Frankreich sind Hunderte Supermärkte von einem Angriff auf Kühltechnik betroffen. Lebensmittel verdarben, einzelne Filialen blieben geschlossen.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein leerer Tiefkühlbereich in einem Supermarkt steht für den Angriff auf vernetzte Kühltechnik.
Symbolbild: Ein leerer Tiefkühlbereich in einem Supermarkt steht für den Angriff auf vernetzte Kühltechnik. KI-generiert

In Frankreich hat ein Cyberangriff auf Kühlsysteme großer Supermarktketten erhebliche Schäden verursacht. Hunderte Filialen im ganzen Land waren in der Nacht zu Montag betroffen, darunter Märkte von Carrefour, E.Leclerc und Intermarché. Nach Angaben der FAZ wurden Steuerungen von Kühlanlagen manipuliert, wodurch Tiefkühlgeräte und Kühlräume stark erhitzten. Viele Lebensmittel mussten entsorgt werden, einzelne Läden öffneten zunächst nicht.

Manipulierte Kühltechnik

Ziel des Angriffs war dem Bericht zufolge ein System, das die Kälteerzeugung in Supermärkten steuert. Die Täter sollen die Temperatur in Kühlmöbeln und Lagerräumen so verändert haben, dass diese teils auf bis zu 50 Grad Celsius anstieg. In einzelnen Fällen sollen Geräte sogar noch deutlich heißer geworden sein. Zugleich wurde offenbar der Abtauprozess verlängert, wodurch Warnmeldungen später ausgelöst wurden.

Die Folgen trafen die Märkte in einer besonders empfindlichen Infrastruktur. Kühlketten sind für frische und tiefgekühlte Waren zentral. Sobald vorgeschriebene Temperaturen überschritten werden, dürfen Lebensmittel nicht mehr verkauft werden. In den betroffenen Filialen kamen deshalb große Mengen Ware in den Abfall. Der wirtschaftliche Schaden wird in Frankreich auf Millionenhöhe geschätzt; die FAZ berichtet von möglichen Schäden im ein- bis zweistelligen Millionenbereich, die mutmaßlich nicht vollständig versichert sind.

Ein Betreiber eines Intermarché-Marktes in der Gironde sagte laut „Le Monde“, der Angriff sei wohl gegen 23 Uhr gestartet worden. Bemerkt worden sei er erst gegen 4 Uhr morgens, als ein Lieferant eine überflutete Lagerfläche festgestellt habe.

Ermittlungen in Paris

Wer hinter dem Angriff steht, ist bislang nicht bekannt. Anders als bei früheren Cybervorfällen in Frankreich bekannte sich zunächst keine Gruppe. Die auf Cyberkriminalität spezialisierte Einheit der Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt. Zudem wurde die nationale französische Behörde für Cybersicherheit und Cyberabwehr eingeschaltet.

Als mögliches Einfallstor gilt eine Software des dänischen Unternehmens Danfoss, die zur Steuerung von Kühlanlagen verwendet wird. Nach Angaben aus dem Umfeld der betroffenen Systeme sollen vielfach ältere Geräte im Einsatz gewesen sein, bei denen Sicherheitslücken bekannt waren. Danfoss verwies laut „Le Monde“ darauf, Kundinnen und Kunden seit längerer Zeit Updates und den Umstieg auf modernere Lösungen zu empfehlen.

Auch die Supermarktgruppe Coopérative U ist betroffen. Ihr Chef Dominique Schelcher sprach am Dienstag im französischen Frühstücksfernsehen von RTL von einem beispiellosen und sehr schweren Angriff. Bei den Ketten der Gruppe, darunter Super U und Hyper U, seien rund 80 von 2.000 Filialen betroffen. Manche Märkte hätten den Angriff abwehren können. Wo das nicht gelang, könne der Schaden in einem großen Hypermarkt laut Schelcher bis zu 180.000 oder 200.000 Euro erreichen.

Störungen auch in den Niederlanden

Parallel meldete die niederländische Kette Albert Heijn einen schweren IT-Vorfall. Das Unternehmen schaltete nach eigenen Angaben vorsorglich Systeme ab, um die eigene IT-Umgebung zu schützen. Die Läden blieben geöffnet, auch die Kassen funktionierten. Online-Bestellungen und Lieferungen waren jedoch nicht möglich, ebenso waren digitale Dienste und der Kundendienst beeinträchtigt.

In einigen Verteilzentren kam die Arbeit nach Angaben der Vorstandsvorsitzenden Margaret Versteden-van Duijn zeitweise vollständig zum Erliegen. Sie sagte im Fernsehen, Regale könnten sich leeren, falls die Störung länger andauere. Besonders betroffen wären demnach eher Obst und Gemüse als haltbare Waren. Ob die Probleme in den Niederlanden auf einen Hackerangriff zurückgehen, ließ das Unternehmen offen.

Für Deutschland meldete der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels auf Anfrage der FAZ keine bekannten Fälle, die mit dem Angriff auf die in Frankreich betroffene Kühlsoftware zusammenhängen. Die Versorgung in Deutschland sei nicht beeinträchtigt. Der Verband verwies außerdem auf laufende Investitionen der Handelsunternehmen in digitale und physische Widerstandsfähigkeit.

Kritische Technik im Alltag

Der Vorfall zeigt, wie angreifbar vernetzte Technik in der Grundversorgung sein kann. Supermärkte hängen nicht nur von Kassensystemen und Warenwirtschaft ab, sondern auch von Steuerungen für Kühlung, Lagerung und Logistik. Werden solche Systeme manipuliert, entstehen nicht nur IT-Probleme. Waren können verderben, Lieferketten geraten unter Druck, Filialen müssen schließen.

Frankreich war in diesem Jahr bereits von größeren Cyberangriffen auf staatliche Stellen betroffen. Dabei wurden Millionen Datensätze aus Behörden und öffentlichen Einrichtungen erbeutet. Der Angriff auf Supermärkte richtet sich nun gegen eine andere Art von Infrastruktur: alltägliche Versorgung, die für Verbraucherinnen und Verbraucher unmittelbar sichtbar wird.