Panorama · Alarm am Airport
Flughafen Nürnberg nach Entführungsalarm gesperrt
Am Flughafen Nürnberg hat ein Alarm wegen einer möglichen Flugzeugentführung am Dienstag zu einer Sperrung und zum Stopp des Flugbetriebs geführt. Eine aus Korfu kommende Boeing 737-800 der Fluggesellschaft Corendon Airlines hatte den Notfallcode 7500 gesendet. Eurofighter begleiteten die Maschine im deutschen Luftraum bis nach Nürnberg. Nach der Landung stellte die Polizei fest, dass für Passagiere und Besatzung keine Gefahr bestand.
Notfallcode aus dem Cockpit
Der Alarm wurde gegen Mittag ausgelöst. Wie tagesschau.de unter Berufung auf die Polizei Mittelfranken berichtete, war aus dem Cockpit der Code 7500 übermittelt worden. Dieser steht in der Luftfahrt für eine Entführungslage. Danach war die Crew per Funk nicht mehr erreichbar. Deshalb gingen die Sicherheitsbehörden von einem möglichen schweren Szenario aus.
Polizeisprecher Michael Petzold schilderte die Lage mit den Worten, man habe „vom Schlimmsten ausgehen“ müssen. Der Tagesspiegel berichtete unter Berufung auf dpa, der Code sei etwa auf halber Strecke gegen kurz nach 11.00 Uhr abgesetzt worden. Die Maschine mit der Flugnummer XR456 landete demnach gegen 12.10 Uhr in Nürnberg.
Nach ersten Einschätzungen der Ermittler spricht einiges für einen technischen Defekt an der Funkanlage. Die Ursache des Alarms wird weiter geprüft. Corendon Airlines äußerte sich zunächst nicht öffentlich zu dem Vorfall. Bei dem Flugzeug handelt es sich um eine Boeing 737-800, die je nach Ausstattung bis zu 189 Sitzplätze haben kann.
Eurofighter begleiten Maschine
Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung wurden die Eurofighter vom taktischen Luftwaffengeschwader 74 in Neuburg an der Donau eingesetzt. Dort stehen dauerhaft zwei Kampfjets für schnelle Alarmstarts bereit. Ein Sprecher der Luftwaffe erklärte laut Tagesspiegel, die Eurofighter hätten den Linienflug bis zur Landung begleitet und seien danach noch über dem Flughafen geblieben. Erst als ein erneuter Start des betroffenen Flugzeugs ausgeschlossen war, sei der Einsatz beendet worden.
Auch außerhalb Deutschlands reagierten Sicherheitsstellen auf den Alarm. In Kroatien stieg nach Angaben des dortigen Verteidigungsministeriums ebenfalls ein Kampfjet auf. Er begleitete die Maschine bis zur slowenischen Grenze. Ausgelöst wurde dieser Einsatz durch eine Warnung des Nato-Luftwaffenkommandos im spanischen Torrejón.
Der Flughafen Nürnberg wurde aus Sicherheitsgründen abgeriegelt. tagesschau.de berichtete von einer rund zweistündigen Sperrung und einem ausgesetzten Flugbetrieb. Auch Busse und U-Bahnen in Richtung Flughafen waren zeitweise betroffen.
Entwarnung nach der Landung
Nach der Ankunft wurde die Maschine auf einem entfernten Vorfeldbereich abgestellt. Polizei und Feuerwehr rückten an, auch Spezialkräfte waren beteiligt. Die Passagiere mussten zunächst im Flugzeug bleiben. Erst nachdem keine Gefahr festgestellt wurde, durften sie aussteigen.
Nach Angaben des Flughafens wurden die Reisenden über Treppen aus der Maschine geführt und anschließend mit Bussen ins Terminal gebracht. Dort kümmerte sich ein speziell geschultes Notfallteam um sie. Flughafen-Geschäftsführer Michael Hupe erklärte, das Team stehe auch für seelsorgerische oder psychologische Unterstützung bereit, falls Reisende diese benötigten.
Gegen 13.20 Uhr gab es offiziell Entwarnung. Kurz darauf lief der Betrieb am Flughafen wieder an. Die Polizei teilte mit, dass es den Passagieren und der Besatzung gut gehe.
Drohnenmeldung am Morgen
Bereits vor dem Entführungsalarm hatte es am Nürnberger Flughafen einen weiteren Einsatz gegeben. Am frühen Morgen meldeten drei Piloten unabhängig voneinander ein Objekt, das möglicherweise eine Drohne gewesen sein könnte. Die Beobachtungen erfolgten bei Start- oder Landevorgängen.
Die Grenzpolizei am Flughafen leitete gemeinsam mit dem Airport und der Deutschen Flugsicherung Suchmaßnahmen ein. Dabei kam auch ein Polizeihubschrauber zum Einsatz. Eine Drohne wurde nicht gefunden. Der Flugbetrieb war dennoch zeitweise beeinträchtigt: Sechs Flüge verspäteten sich, zwei ankommende Maschinen wichen vorsorglich nach Köln und Prag aus. Sie konnten später nach Nürnberg weiterfliegen.
Nach ersten Einschätzungen der Polizei bestand zwischen der möglichen Drohnensichtung und dem späteren Notfallcode kein Zusammenhang. Beide Einsätze zeigen jedoch, wie empfindlich der Luftverkehr auf sicherheitsrelevante Meldungen reagiert. Schon ein unklarer Hinweis kann ausreichen, um Flughäfen, Polizei, Flugsicherung und Luftwaffe in kurzer Zeit in einen koordinierten Einsatz zu bringen.