Panorama · Terrorverdacht im Flugzeug
Copilot soll Anschlag auf Ben Gurion geplant haben
Der Vorfall an Bord eines Flydubai-Flugs von Dubai nach Tel Aviv wird von Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten als mutmaßlicher Terroranschlag bewertet. Neue Berichte deuten darauf hin, dass der Copilot die Maschine auf den Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv lenken und dort zum Absturz bringen wollte. Zuvor soll er den Piloten im Cockpit angegriffen haben; der Jet landete später in Saudi-Arabien.
Angriff im Cockpit
Der Vorfall ereignete sich am vergangenen Mittwoch auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv. Nach Angaben emiratischer Behörden attackierte der Copilot den verantwortlichen Piloten im Cockpit mit einer Rettungsaxt. Der Pilot erlitt schwere Verletzungen, konnte aber die Tür zum Cockpit öffnen.
Danach gelangten Passagiere in den vorderen Bereich des Flugzeugs und überwältigten den Angreifer. Während der Auseinandersetzung verlor die Maschine erheblich an Höhe. Eine weitere Crew übernahm anschließend die Kontrolle und brachte das Flugzeug im saudi-arabischen Tabuk zur Landung.
Der Copilot wurde später in die Vereinigten Arabischen Emirate gebracht. Israelischen Angaben zufolge stammt der Mann aus Oman.
Ziel soll Ben Gurion gewesen sein
Die Welt berichtet unter Berufung auf US-Medien, Ermittler gingen inzwischen davon aus, dass der Copilot den israelischen Großflughafen Ben Gurion treffen wollte. ABC News stützt sich demnach auf zwei hochrangige US-Beamte sowie eine israelische Person mit Kenntnis der Untersuchungen. Auch CNN meldete unter Verweis auf israelische Angaben, das mutmaßliche Ziel sei wahrscheinlich der Flughafen bei Tel Aviv gewesen.
Der Spiegel berichtet ebenfalls, US-Sender wie ABC News und CNN gingen von entsprechenden Hinweisen aus. Die Ermittlungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten laufen weiter. Nach Angaben der emiratischen Nachrichtenagentur Wam wirft die Generalstaatsanwaltschaft dem Copiloten vor, versucht zu haben, die Gewalt über das Flugzeug zu erlangen.
Der US-Radiosender NPR berichtete laut Welt zudem, der Copilot habe nach bisheriger Einschätzung vermutlich ohne Komplizen gehandelt. Gleichzeitig werden die Untersuchungen als noch nicht abgeschlossen beschrieben. Die genaue Planung und mögliche Kontakte des Mannes sind damit weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.
Frühere Sicherheitsbedenken
US-Medien hatten bereits zuvor über Auffälligkeiten in der beruflichen Vergangenheit des Copiloten berichtet. Demnach soll der Mann bei einer früheren Fluggesellschaft in Oman wegen Sicherheitsbedenken entlassen worden sein. Das Wall Street Journal schrieb, er sei dort zeitweise mit einem Flugverbot belegt worden.
Als Hintergrund nannten die Berichte Sorgen über mögliche radikale ideologische Ansichten. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach von islamistischer Indoktrinierung. Diese Einschätzung steht im Zusammenhang mit der Bewertung des Vorfalls als versuchter Terroranschlag.
Politische Einordnung
Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate behandeln den Fall inzwischen nicht mehr nur als schweren Zwischenfall im Luftverkehr. Die Einstufung als Terrorverdacht verändert die politische Dimension, weil der Flug zwischen Dubai und Tel Aviv unterwegs war und das mutmaßliche Ziel ein zentraler israelischer Flughafen gewesen sein soll.
Auch die Frage nach möglichen Verbindungen in die Region wird geprüft. US-Vizepräsident JD Vance sagte laut Spiegel, ein möglicher Iran-Bezug werde untersucht. US-Präsident Donald Trump äußerte die persönliche Einschätzung, Iran könne verantwortlich sein; Belege dafür nannte er demnach nicht.
Der Fall bleibt damit ein sicherheitspolitisch heikler Vorgang für mehrere Staaten. Für die Luftfahrt steht vor allem im Mittelpunkt, wie der Copilot trotz früherer Bedenken im Cockpit eines internationalen Linienflugs eingesetzt werden konnte und wie die Abläufe an Bord den Absturz letztlich verhinderten.