Panorama · Unglück im Roten Meer
Bootsunglück vor Dschibuti fordert viele Tote
Ein schweres Bootsunglück auf der Route von Dschibuti nach Jemen hat zahlreiche Menschen das Leben gekostet. Das Schiff kenterte in der Nacht zum Freitag mit rund 350 Menschen an Bord. Die Tagesschau berichtete von mehr als 130 Toten. Die taz nannte unter Berufung auf die UN-Migrationsbehörde IOM mindestens 109 Tote, darunter 15 Kinder; mehr als 116 Menschen galten demnach weiter als vermisst.
Überladenes Boot auf dem Weg nach Jemen
Das Boot war von Dschibuti aus in Richtung Jemen unterwegs. Die Strecke führt über die Meerenge Bab el-Mandab am südlichen Ende des Roten Meeres. Viele Menschen nutzen diese Passage, um vom Horn von Afrika auf die Arabische Halbinsel zu gelangen. Von Jemen aus versuchen zahlreiche Migrantinnen und Migranten, weiter nach Saudi-Arabien zu kommen.
Nach Angaben der IOM wurden mehr als 80 Menschen lebend aus dem Meer gerettet. Sie wurden nach Obock im Norden Dschibutis gebracht. Die Überlebenden kamen demnach alle aus Äthiopien. Obock ist ein wichtiger Ausgangspunkt für Überfahrten nach Jemen, zugleich aber auch ein Ort, an dem Menschen ankommen, die vor dem Krieg in Jemen nach Afrika fliehen.
Das Unglück zählt zu den schwersten bekannten Katastrophen auf dieser Route. Die Überfahrt ist geografisch kurz, gilt aber wegen überfüllter Boote, organisierter Schleusung und der politischen Lage in der Region als besonders riskant. Zwischen Dschibuti und Jemen liegen an der engsten Stelle nur rund 30 Kilometer.
Eine der gefährlichsten Migrationsrouten
Die sogenannte Ostroute vom Horn von Afrika in Richtung Jemen und Saudi-Arabien wird seit Jahren von Hunderttausenden Menschen genutzt. Nach IOM-Daten sind seit 2014 mehr als 4.200 Menschen auf diesem Weg ums Leben gekommen oder verschwunden. Das Jahr 2025 war mit 922 registrierten Toten oder Vermissten das bislang tödlichste.
Die Zahl der Menschen auf dieser Route ist zuletzt gestiegen. Die IOM erfasste für 2024 rund 430.000 Ausreisen, 2025 waren es etwa 507.000. Für das erste Quartal 2026 wurden bereits knapp 153.000 Ausreisen registriert.
Der größte Teil der Reisenden stammt aus Äthiopien. Laut taz kommen etwa 90 Prozent der Menschen auf dieser Route von dort. Rund ein Drittel der äthiopischen Migrantinnen und Migranten kommt aus der Bürgerkriegsregion Tigray. Somalia ist das zweitwichtigste Herkunftsland.
Viele Menschen nehmen die Reise trotz hoher Risiken auf sich. Saudi-Arabien bringt jedes Jahr Zehntausende Äthiopierinnen und Äthiopier per Charterflug zurück. Zudem gibt es Berichte über Gewalt gegen Migrantinnen und Migranten im Grenzgebiet zwischen Jemen und Saudi-Arabien.
Konflikte verschärfen die Lage
Das Unglück ereignet sich in einer Region, in der mehrere Krisen gleichzeitig Fluchtbewegungen auslösen. In Jemen hat sich der Krieg zuletzt wieder verschärft. Dschibuti nimmt seit Jahren Menschen auf, die von dort über das Rote Meer nach Afrika fliehen. Bei Obock liegt das Flüchtlingslager Markazi, das für 5.000 Menschen ausgelegt ist.
Vor der jüngsten Eskalation in Jemen lebten dort 2.700 Flüchtlinge aus Jemen und 1.500 Menschen aus Eritrea. Bis vergangenen Donnerstag wurden in Dschibuti 3.807 neu angekommene Flüchtlinge aus Jemen registriert.
Hinzu kommen Fluchtbewegungen aus Äthiopien. Seit dem Ausbruch neuer Kämpfe vor drei Wochen sind rund 20.000 Menschen geflohen. Damit steigt der Druck auf eine ohnehin stark belastete Region weiter. Die Meerenge zwischen Dschibuti und Jemen steht zudem unter Kontrolle der jemenitischen Huthi-Rebellen, was die Lage auf der Route zusätzlich verschärft.