Lebensmittel · Deutscher Weinbau
Weinernte in Deutschland fällt kleiner aus
Die Weinlese in Deutschland bringt 2026 voraussichtlich weniger Most als in normalen Jahren. Wie tagesschau.de berichtete, rechnet das Deutsche Weininstitut mit einer Menge, die rund ein Fünftel unter dem Zehnjahresmittel von 8,7 Millionen Hektolitern liegt. Damit könnte die Ernte so klein ausfallen wie seit 2010 nicht mehr. Das Statistische Bundesamt kommt in seiner Schätzung dagegen auf 8,0 Millionen Hektoliter. Einig sind sich die Fachstellen bei der Qualität: Der heiße und trockene Sommer hat zwar die Menge begrenzt, größere Schäden blieben aber weitgehend aus.
Schätzungen gehen auseinander
Die Differenz zwischen den Prognosen ist erheblich. Das Deutsche Weininstitut, kurz DWI, sieht die Erntemenge etwa 20 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Zum Vergleich: 2010 wurden 7,1 Millionen Hektoliter erzeugt, 2025 waren es 7,7 Millionen Hektoliter. Die aktuelle DWI-Einschätzung bezieht sich auf das Ende der Lese und berücksichtigt damit bereits Erfahrungen aus der Verarbeitung der Trauben.
Das Statistische Bundesamt geht von einem kleineren Rückgang aus. Seine Zahl von 8,0 Millionen Hektolitern läge vier Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025. Gegenüber dem Vorjahr wäre das dennoch ein Plus. Grundlage der amtlichen Vorausschätzung ist ein Stand vom 20. September, als die Lese noch nicht überall beendet war.
Der Spiegel verwies auf die Erhebungsmethode des Bundesamtes: Rund 400 freiwillige Ernteberichterstatterinnen und Ernteberichterstatter melden erwartete Erträge aus ihren Betrieben. Solche Zahlen können sich durch Wetter, Krankheiten oder Schädlingsdruck noch verändern. Der Tagesspiegel berichtete zudem, dass die klein gebliebenen Beeren beim Pressen weniger Saft lieferten als der Behang in den Weinbergen zunächst erwarten ließ.
Kleine Trauben, gute Qualität
Der Sommer war sehr sonnig und in vielen Regionen trocken. Dadurch blieben zahlreiche Trauben kleiner als üblich. Für die Menge ist das ungünstig, für die Qualität kann es jedoch Vorteile bringen: Inhaltsstoffe verteilen sich auf weniger Saft. Das DWI erwartet deshalb trotz der geringeren Ausbeute einen hochwertigen Jahrgang.
Auch das Statistische Bundesamt sieht Anzeichen für einen guten Jahrgang. Größere flächige Schäden durch Wetterereignisse werden nicht genannt. Bei der Zusammensetzung der Ernte dominieren weiterhin weiße Sorten. Etwa 70 Prozent entfallen auf Weißmost, rund 30 Prozent auf rote Trauben.
Bei einzelnen Rebsorten gibt es Verschiebungen. Mehr gelesen wurde vor allem bei Riesling und Dornfelder. Geringere Mengen werden dagegen bei Grünem Silvaner und Blauem Portugieser erwartet. Die Zahlen beschreiben die Erntemenge, nicht die spätere Weinproduktion in Flaschen.
Regionen entwickeln sich unterschiedlich
Die Lage fällt je nach Anbaugebiet verschieden aus. In Rheinhessen, der Pfalz und Baden werden im Vergleich zum Vorjahr größere Mengen erwartet. An der Mosel und in Franken gehen die Erträge zurück. Rheinhessen und die Pfalz bleiben die wichtigsten Herkunftsgebiete: Auf sie entfallen nach Angaben der Statistiker zusammen mehr als die Hälfte der erwarteten Lesemenge. Rheinhessen kommt auf etwa 2,4 Millionen Hektoliter, die Pfalz auf rund 2,1 Millionen Hektoliter. Baden und Württemberg stellen zusammen knapp ein weiteres Viertel.
Eine wichtige Rolle spielt, wie gut Reben und Böden mit Wassermangel umgehen können. Ältere Rebstöcke profitieren von tieferen Wurzeln und kommen dadurch besser an Feuchtigkeit in unteren Bodenschichten. Jüngere Anlagen und Weinberge auf leichten Böden litten stärker unter der Trockenheit. Wo es möglich war, mussten sie bewässert werden.
Klimarisiken rücken näher
Die Ernte 2026 zeigt erneut, wie stark der Weinbau vom Wetter abhängt. Hitze, lange Trockenphasen und die Wasserspeicherfähigkeit der Böden entscheiden zunehmend über Ertrag und Qualität. Das Statistische Bundesamt weist darauf hin, dass häufigere und länger anhaltende Extremwetterereignisse die Unsicherheit von Ernteschätzungen erhöhen.
Auch der Blick in andere europäische Weinregionen unterstreicht den Wandel. Im Burgund begann die Lese für Crémant in diesem Jahr so früh wie nie zuvor. Eine Untersuchung historischer Daten aus Beaune zeigt nach Angaben des Spiegel, dass Jahre mit extremer Hitze seit den späten 1980er-Jahren deutlich häufiger auftreten. Für den deutschen Weinbau bedeutet das: Gute Jahrgänge sind weiter möglich, die Erntemengen dürften aber stärker schwanken.