Lebensmittel · Landwirtschaft im Wandel
Sojaanbau auf deutschen Feldern legt stark zu
Der Sojaanbau in Deutschland wächst deutlich: Zwischen 2016 und 2025 hat sich die Erntemenge nach Angaben des Statistischen Bundesamtes auf 130.800 Tonnen mehr als verdreifacht. Höhere Temperaturen, angepasste Sorten und eine steigende Nachfrage nach pflanzlichem Eiweiß machen die Kultur für Betriebe attraktiver. Zugleich zeigt der heiße und trockene Sommer 2026, dass auch Soja im Klimawandel keine risikofreie Lösung ist.
Wärme und neue Sorten öffnen Chancen
Lange galt Soja für viele deutsche Regionen als ungeeignet, weil die aus Ostasien stammende Pflanze wärmere Bedingungen braucht. Inzwischen verschieben sich die Anbaumöglichkeiten. Neue Sorten kommen besser mit hiesigen Standorten zurecht, und die Vegetationsbedingungen haben sich durch steigende Temperaturen verändert.
ZDFheute beschreibt den Biohof von Simon Franz im unterfränkischen Leinach als Beispiel für diesen Wandel. Der Landwirt baut Soja dort als Teil seiner Fruchtfolge auf rund 30 Hektar an. Dabei wechselt er verschiedene Kulturen auf den Flächen ab. Etwa die Hälfte seiner Ernte ist für die Lebensmittelverarbeitung bestimmt. Ein weiterer Teil geht an andere Betriebe, die das Saatgut für den eigenen Anbau nutzen.
Für Höfe bleibt der Anbau anspruchsvoll. Böden, Wetter und Sortenwahl unterscheiden sich von Standort zu Standort. Franz nutzt deshalb den Austausch mit anderen Betrieben und Fachleuten, um Anbaumethoden anzupassen.
Eiweiß für Tofu, Öl und Tierfutter
Soja ist vor allem wegen seines hohen Proteingehalts gefragt. Das Bundeszentrum für Landwirtschaft beziffert ihn auf rund 40 Prozent. Damit liegt die Bohne über vielen anderen Hülsenfrüchten wie Erbsen oder Bohnen. Die Nachfrage kommt aus mehreren Bereichen: aus der Tierhaltung, aus der Lebensmittelindustrie und aus der Verarbeitung zu weiteren Produkten.
Der größte Anteil der deutschen Ernte landet als Futter in der Viehhaltung. Gleichzeitig wächst der Bedarf an Soja für Lebensmittel. Nach einer Schätzung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung wurden 2024 zwölf Prozent der heimischen Ernte direkt für Nahrung verwendet. Dazu zählen Produkte wie Tofu, Tempeh und pflanzliche Fleischalternativen.
Soja steckt aber auch in Lebensmitteln, bei denen Verbraucherinnen und Verbraucher es nicht immer auf den ersten Blick erwarten. Aus der Bohne wird Öl gewonnen. Außerdem dient Sojalecithin als Emulgator, der fettige und wässrige Bestandteile verbindet. Es wird unter anderem in Backwaren, Schokolade, Kosmetika und Arzneimitteln eingesetzt.
Boden profitiert, Importe bleiben hoch
Für Betriebe ist Soja nicht nur wegen des Absatzes interessant. Die Pflanze kann die Fruchtfolge erweitern und den Boden verbessern. Frank Ewert vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung erläuterte gegenüber ZDFheute, Soja bringe Stickstoff in das Anbausystem. Die Pflanze bindet den Nährstoff mithilfe natürlicher Prozesse aus der Luft. Dadurch sinkt der Bedarf an zusätzlichem Dünger. Für ökologisch wirtschaftende Betriebe ist das besonders bedeutsam.
Trotz des Wachstums bleibt Soja in Deutschland eine kleine Kultur. 2025 entfielen nur 0,3 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche auf den Anbau. Der Bedarf ist dagegen erheblich größer. Deutschland führte 3,4 Millionen Tonnen Sojabohnen ein. Große Mengen kommen aus den USA und aus Südamerika. Dort steht der Anbau immer wieder wegen Folgen für Natur und Klima in der Kritik.
Fachleute sehen deshalb Spielraum für mehr heimische Produktion. Sie könnte einen Teil der Importe ersetzen, vor allem beim Futterbedarf. Vollständig unabhängig macht der deutsche Anbau den Markt aber nicht. Dafür ist die derzeitige Fläche im Vergleich zur Nachfrage noch zu klein.
Trockenheit setzt Grenzen
Der Sommer 2026 zeigt zugleich die Grenzen der Pflanze. Soja verträgt Wärme besser als manche klassische Kultur, benötigt in wichtigen Entwicklungsphasen aber ausreichend Wasser. In Unterfranken und anderen Regionen führten Hitze und Trockenheit zu Einbußen. Bei Simon Franz bildeten sich in vielen Hülsen weniger Körner als sonst. Sein Ertrag fiel nach ZDFheute-Angaben etwa halb so hoch aus wie üblich.
Franz setzt deshalb nicht allein auf Soja. Auf seinen Flächen wachsen auch andere Hülsenfrüchte, darunter Kichererbsen. Sie kamen in diesem Jahr besser mit den Bedingungen zurecht, weil sie in einer Phase mit wenig Regen Vorteile hatten. Für den Betrieb wirkt die Kultur damit wie ein Ausgleich, wenn Soja unter Wassermangel leidet.
Der Trend zu Soja verbindet mehrere Entwicklungen: wärmere Bedingungen, den Bedarf an Eiweiß, den Wunsch nach regionaleren Rohstoffen und die Suche nach robusteren Fruchtfolgen. Der Anbau boomt, bleibt aber abhängig von Wetter, Wasser und passenden Standorten.