Lebensmittel · Cyberangriff in Frankreich
Kühltechnik von Supermärkten Ziel einer Attacke
Ein Cyberangriff hat in Frankreich Kühltechnik im Lebensmittelhandel beeinträchtigt. Betroffen sind nach Angaben aus der Branche mehrere Geschäfte der Gruppe Coopérative U. Auch Les Mousquetaires verweist auf einen Angriff, der über Systeme des dänischen Technikdienstleisters Danfoss gelaufen sein soll. Danfoss spricht von einer begrenzten Zahl betroffener Kühlsysteme.
Bestätigung aus dem Handel
Der Chef von Coopérative U, Dominique Schelcher, bestätigte den Vorfall auf X. Demnach ging es um einen Angriff auf Kühlanlagen in mehreren Märkten der Handelsgruppe. Schelcher bezeichnete die Attacke dort als „beispiellos“ und „inakzeptabel“. Die FAZ berichtete über die Äußerungen im Rahmen ihres Wirtschaftstickers.
Für Lebensmittelhändler sind gesteuerte Kühlanlagen ein zentraler Teil des laufenden Betriebs. Sie betreffen unter anderem Bereiche, in denen gekühlte oder tiefgekühlte Waren gelagert und verkauft werden. Ein Eingriff in diese Technik kann deshalb rasch operative Folgen in den Märkten haben, selbst wenn andere IT-Systeme weiterlaufen.
Coopérative U ist nicht der einzige Name, der im Zusammenhang mit dem Vorfall genannt wird. Medienberichten zufolge sollen weitere Handelsketten betroffen sein. Konkrete Angaben zu allen betroffenen Unternehmen oder zur Zahl der Märkte wurden dabei nicht genannt.
Spur führt zu Danfoss
Ein Sprecher von Les Mousquetaires erklärte laut FAZ, der Angriff habe sich gegen Danfoss gerichtet. Der dänische Technikdienstleister arbeitet mit verschiedenen Unternehmen aus dem Lebensmittelhandel zusammen. Damit rückt nicht nur ein einzelner Händler in den Blick, sondern ein Anbieter, dessen Technik in mehreren Handelsnetzen eingesetzt wird.
Danfoss bestätigte, von den Vorgängen in Frankreich Kenntnis zu haben. Das Unternehmen teilte mit, es gehe um eine begrenzte Anzahl von Kühlsystemen. Bei dem größten Teil davon handle es sich um ältere Produkte. Zugleich erklärte Danfoss, man nehme die Lage ernst.
Die Angaben deuten auf einen Angriff auf technische Infrastruktur hin, die für den Betrieb von Märkten im Alltag wichtig ist. Anders als bei vielen bekannten Cybervorfällen im Handel stehen hier nicht Kundendaten, Bezahlsysteme oder Onlineshops im Vordergrund, sondern die Steuerung von Kühltechnik in Filialen.
Störung für den Lebensmittelhandel
Der Fall trifft einen Bereich, in dem digitale Steuerungen längst zum normalen Betrieb gehören. Kühlung in Supermärkten wird häufig über vernetzte Systeme überwacht und geregelt. Solche Anlagen können damit auch Teil der Angriffsfläche werden, wenn Schwachstellen in Technik oder Anbindung ausgenutzt werden.
Für Handelsketten ist der Vorfall vor allem deshalb bedeutsam, weil Kühlanlagen unmittelbar mit der Warenversorgung verbunden sind. Werden Systeme gestört, müssen Märkte reagieren, um betroffene Bereiche abzusichern und den Betrieb aufrechtzuerhalten. Welche konkreten Folgen der Angriff in den französischen Geschäften hatte, wurde nicht näher beziffert.
Danfoss’ Hinweis auf ältere Produkte lenkt zusätzlich den Blick auf die Lebensdauer technischer Ausstattung im Handel. Viele Anlagen bleiben über Jahre im Einsatz. Wenn solche Systeme digital angebunden sind, wird ihre Absicherung zu einer dauerhaften Aufgabe für Händler und Dienstleister.
Einordnung
Cyberangriffe auf Unternehmen des Handels werden oft mit Datendiebstahl oder Erpressung in Verbindung gebracht. Der Vorfall in Frankreich zeigt eine andere Verwundbarkeit: Angreifer können auch technische Anlagen treffen, die Warenlagerung und Filialbetrieb stützen.
Für Lebensmittelhändler ist das besonders sensibel, weil Kühltechnik nicht nur eine interne IT-Frage ist. Sie gehört zur physischen Infrastruktur der Märkte. Wenn mehrere Ketten über denselben Dienstleister betroffen sind, kann ein Angriff zudem über einzelne Unternehmen hinausreichen. Der Fall dürfte deshalb auch für andere Handelsunternehmen relevant sein, die vergleichbare technische Systeme einsetzen.