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Stündlich aktualisiert

Lebensmittel · Cyberangriff im Handel

Attacke legt Kühltechnik in französischen Märkten lahm

In Frankreich sind Kühlanlagen mehrerer Supermärkte nach einem Cyberangriff gestört. Betroffen ist Technik des Dienstleisters Danfoss.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Vernetzte Kühltechnik ist für Supermärkte ein zentraler Teil des laufenden Betriebs.
Symbolbild: Vernetzte Kühltechnik ist für Supermärkte ein zentraler Teil des laufenden Betriebs. KI-generiert

In französischen Supermärkten sind nach einem Cyberangriff Kühlanlagen gestört worden. Betroffen sind mehrere Geschäfte der Gruppe Coopérative U; auch andere Handelsketten sollen Probleme haben. Der Angriff hängt nach Angaben aus dem Umfeld der Händler mit Technik des dänischen Dienstleisters Danfoss zusammen, der Kühlsysteme für Lebensmittelhändler liefert.

Coopérative U bestätigt Ausfälle

Der Chef von Coopérative U, Dominique Schelcher, machte den Vorfall auf X öffentlich. Dort bezeichnete er die Attacke als „beispiellos“ und „inakzeptabel“. Nach seinen Angaben betrifft der Angriff Kühltechnik in mehreren Filialen der französischen Handelsgruppe.

Die Störung trifft einen besonders empfindlichen Bereich des Lebensmittelhandels. Kühlanlagen sichern die Temperatur von Waren, die in Märkten dauerhaft kontrolliert gelagert werden müssen. Wenn solche Systeme ausfallen oder nicht mehr zuverlässig arbeiten, entsteht für Händler sofort Handlungsdruck. Angaben zu möglichen Warenschäden, zur Zahl der betroffenen Märkte oder zur Dauer der Störung wurden nicht genannt.

Die FAZ meldete unter Berufung auf Reuters, dass Medien in Frankreich auch von weiteren betroffenen Ketten berichten. Die tagesschau berichtete ebenfalls über eine Cyberattacke auf Kühltruhen in französischen Supermärkten.

Dienstleister Danfoss im Mittelpunkt

Nach Angaben eines Sprechers von Les Mousquetaires zielte der Angriff auf Danfoss. Der dänische Technikdienstleister arbeitet mit verschiedenen Lebensmittelhändlern zusammen. Damit kann eine Störung bei einem Zulieferer mehrere Handelsunternehmen gleichzeitig treffen, wenn sie ähnliche Systeme einsetzen.

Danfoss erklärte, man kenne die Vorfälle in Frankreich. Nach Unternehmensangaben geht es um „eine begrenzte Anzahl Kühlsysteme“. Zudem seien „bei der überwiegenden Mehrheit“ ältere Produkte betroffen. Der Konzern teilte mit, die Lage ernst zu nehmen.

Die Angaben deuten darauf hin, dass nicht die IT einzelner Supermarktfilialen im Vordergrund steht, sondern vernetzte Technik, die Kühlung und Steuerung unterstützt. Moderne Märkte nutzen dafür Systeme, die Temperaturen überwachen und Anlagen zentral regeln können. Werden solche Komponenten angegriffen oder gestört, kann dies im laufenden Betrieb schnell sichtbar werden.

Angriff trifft kritische Betriebstechnik

Für Lebensmittelhändler ist Kühlung Teil der grundlegenden Infrastruktur. Sie betrifft nicht nur einzelne Geräte, sondern ganze Abläufe in Filialen. Kühlräume, Kühlregale und Truhen müssen stabil laufen, damit frische und tiefgekühlte Ware verkauft werden kann. Ein Angriff auf diese Technik kann daher den Verkauf in betroffenen Bereichen beeinträchtigen, auch wenn Kassen, Warenwirtschaft oder Onlineangebote nicht im Mittelpunkt stehen.

Der Fall zeigt, wie eng der Handel inzwischen mit spezialisierten Technikdienstleistern verbunden ist. Viele Ketten beziehen Anlagen, Steuerungen und Wartungsdienste von externen Unternehmen. Dadurch können Schwachstellen oder Störungen außerhalb der eigenen Organisation Auswirkungen auf den Betrieb in den Märkten haben.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist vor allem entscheidend, ob Filialen bestimmte Waren vorübergehend nicht anbieten können oder Kühlbereiche gesperrt werden müssen. Dazu machten die beteiligten Unternehmen keine konkreten Angaben.

Debatte über digitale Risiken

Der Vorfall fällt in eine Phase, in der Unternehmen und Politik verstärkt über Cyberrisiken sprechen. Im selben Umfeld forderte Microsoft-Präsident Brad Smith weltweit strengere Vorgaben für Entwickler von Künstlicher Intelligenz. Neue Systeme sollten demnach vor dem Einsatz unabhängig auf Risiken geprüft werden. Außerdem sprach er sich für technische Notbremsen aus, wenn KI-Modelle außer Kontrolle geraten.

Auch Bill Gates warnte zuletzt vor mehr Angriffen mithilfe moderner KI-Systeme. Er sagte in einem Fernsehinterview, im kommenden Jahr seien vor allem im Cyberbereich negative Überraschungen zu erwarten, wenn Schutzmechanismen abgeschaltet würden.

Mit dem Angriff auf französische Supermärkte rückt nun ein praktisches Ziel in den Blick: nicht ein Onlineshop oder eine Kundendatenbank, sondern technische Anlagen im Lebensmittelhandel. Für die Branche erhöht das den Druck, digitale Steuerungssysteme, Dienstleisterzugänge und ältere Anlagen genauer abzusichern.