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Stündlich aktualisiert

Kultur · Umstrittenes Kinderkostüm

Zara nimmt Kinderkostüm nach KZ-Vergleich vom Markt

Zara verkauft ein Halloween-Kostüm für Kinder nicht mehr. Kritiker sahen in Streifen, Aufdrucken und Nummern-Anmutung Bezüge zu Kleidung von KZ-Häftlingen.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein Kinderkostüm auf einem Kleiderständer steht für die Debatte um problematische Modegestaltung.
Symbolbild: Ein Kinderkostüm auf einem Kleiderständer steht für die Debatte um problematische Modegestaltung. KI-generiert

Zara hat ein Halloween-Kostüm für Kinder aus dem Sortiment genommen, nachdem daran deutliche Anklänge an Kleidung von KZ-Häftlingen kritisiert worden waren. Das Set bestand aus Jacke und Hose mit blau-weißen Längsstreifen, wirkte bewusst abgenutzt und trug Details, die bei Kritikerinnen und Kritikern Assoziationen an die NS-Zeit auslösten. Online ist der Artikel inzwischen nicht mehr auffindbar.

Kritik an Streifen und Details

Das Kinderkostüm wurde als Halloween-Outfit angeboten. Neben dem gestreiften Muster fielen aufgedruckte Elemente auf, die als Hinweis auf Stacheldraht verstanden werden konnten. Hinzu kamen Abzeichen an den Ärmeln, die an Kennzeichnungen mit Nummern erinnerten. Mehrere Medien, darunter der Spiegel, berichten, dass diese Kombination den Vorwurf auslöste, das Produkt erinnere an Häftlingskleidung aus nationalsozialistischen Konzentrationslagern.

Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt ein Beitrag des israelischen Journalisten Dov Gil-Har auf der Plattform X. Er schrieb von einem „Kostüm im Stil der nationalsozialistischen Konzentrationslager“. Der Post verbreitete sich im Zusammenhang mit Bildern des Outfits und verstärkte die Kritik an der spanischen Modekette.

Unternehmen nimmt Artikel heraus

Zara Home erklärte laut n-tv, man „bedauert jedes Missverständnis“, das durch das Kinderkostüm entstanden sein könne. Der Artikel sei weder in Geschäften noch im Onlineverkauf weiter verfügbar. Eine Erklärung dazu, warum die möglichen Bezüge zur NS-Verfolgung bei der internen Prüfung nicht erkannt wurden, gab das Unternehmen demnach nicht ab.

Die Reaktion kam nach öffentlicher Empörung über Gestaltung und Vermarktung des Kostüms. Bei Produkten für Kinder ist die Sensibilität besonders hoch, wenn historische Symbole oder Anmutungen eine Verbindung zu Verfolgung, Entrechtung und Massenmord in der NS-Zeit nahelegen. In diesem Fall ging es nicht um ein einzelnes Detail, sondern um das Zusammenspiel aus Streifen, künstlicher Abnutzung, Drahtoptik und nummernähnlichen Aufnähern.

Frühere Vorfälle bei Zara

Zara war bereits früher wegen Produkten in die Kritik geraten, die Bezüge zum Nationalsozialismus nahelegten. 2014 stoppte das Unternehmen den Verkauf eines Kinderhemds mit blau-weißen Streifen und einem gelben sechszackigen Stern auf der Brust. Das Motiv erinnerte an die Kennzeichnung, die jüdischen Menschen unter der NS-Herrschaft aufgezwungen wurde.

Schon 2007 hatte es einen weiteren Fall gegeben. Damals war in Filialen eine Stofftasche erhältlich, deren Muster neben floralen Elementen auch Hakenkreuze enthielt. Die Welt verweist in ihrer Berichterstattung auf diese Vorgeschichte und ordnet den aktuellen Fall als erneuten Fehlgriff bei einem Produkt der Modekette ein.

Debatte um Verantwortung

Der Fall berührt eine grundsätzliche Frage der Mode- und Konsumkultur: Wie genau prüfen Unternehmen Gestaltung, Bildsprache und historische Bezüge, bevor Produkte in den Handel kommen? Gerade internationale Marken arbeiten mit schnellen Kollektionen, globalen Märkten und großen Stückzahlen. Fehlerhafte oder unsensible Designs können deshalb rasch sichtbar werden und weltweit Kritik auslösen.

Zusätzliche Aufmerksamkeit gilt Zara auch wegen John Galliano. Der britische Modeschöpfer arbeitet seit März 2026 für das Unternehmen. Er war 2011 in Frankreich wegen rassistischer und antisemitischer Äußerungen verurteilt worden. Damals hatte er in einer Pariser Bar unter anderem antisemitische Beleidigungen geäußert und Hitler verherrlicht. Im August sagte Galliano eine Ausstellung seiner Arbeiten am Metropolitan Museum of Art in New York ab. Der aktuelle Kostümfall fällt damit in eine Phase, in der Zara ohnehin unter besonderer Beobachtung steht, wenn es um den Umgang mit NS-Bezügen und Antisemitismus geht.