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Kultur · Neuer Lehmann-Roman

Sven Regener führt Frank Lehmann zurück nach Westberlin

In „Frankie und Freddie“ erzählt Sven Regener einen Tag im Leben der Brüder Lehmann. Der Roman spielt kurz vor Weihnachten 1980 in Westberlin.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Eine winterliche Westberliner Straßenszene erinnert an die Atmosphäre des neuen Lehmann-Romans.
Symbolbild: Eine winterliche Westberliner Straßenszene erinnert an die Atmosphäre des neuen Lehmann-Romans. KI-generiert

Sven Regener erweitert sein Lehmann-Universum um einen neuen Roman. „Frankie und Freddie“ führt Frank Lehmann und seinen Bruder Freddie an einem Wintertag durch Westberlin: Am 23. Dezember 1980 suchen die beiden nach einer verschwundenen Tasche. Die taz bespricht das Buch als Rückkehr in jenes Milieu, das Regener seit „Herr Lehmann“ literarisch geprägt hat.

Ein Tag in der eingeschlossenen Stadt

Der Roman bündelt seine Handlung auf einen einzigen Tag, füllt damit aber 288 Seiten. Im Zentrum stehen Frank und Freddie Lehmann, die sich durch die damalige Westberliner Stadtlandschaft bewegen. Die Handlung setzt kurz vor Weihnachten ein, also in einer Zeit, in der Heimfahrt, Familie und Jahresende ohnehin näher rücken. Ob die Brüder nach Bremen zu ihren Eltern fahren, bleibt Teil der inneren Unruhe, die der Roman laut Besprechung mit der äußeren Bewegung durch die Stadt verbindet.

Regener nutzt den Tageslauf, um ein Westberlin zu zeichnen, das nicht nur Kulisse ist. Die Stadt erscheint als eigener Erfahrungsraum: mit Kälte, Smog, Kneipen, Tankstellen, U-Bahn-Fahrten und einer Kunstszene, die sich in ihrer Sonderlage eingerichtet hat. Die taz hebt hervor, dass der Roman neben Komik auch fast sentimentale Momente enthält. Liebe, Freundschaft, Orientierungslosigkeit und Stadtgefühl stehen damit nebeneinander.

Brüder, Kunstszene und Kneipenmilieu

Freddie Lehmann gehört in diesem Roman zum künstlerischen Umfeld der Stadt. Auch H.R. Ledigt, Mitbewohner in der Lehmann-Wohngemeinschaft, zählt zu dieser Szene. Regener führt zudem Figuren ein, die stark über Milieu und Auftreten wirken: etwa einen Mann an einer Tankstelle, der sich dort als eine Art Personalfigur inszeniert, sowie Gestalten aus Bars, Wohnungen und Nachtorten.

Zu den Schauplätzen zählt das Café Einfall, ein Ort aus dem Lehmann-Kosmos. Auch das Schnaftifix spielt eine Rolle, ein heruntergekommener Treffpunkt, an dem Alkohol und Drogen zum Alltag gehören. Der Roman bleibt damit bei jenen sozialen Räumen, aus denen Regener seit Jahren seine Komik gewinnt: Kneipen, Wohngemeinschaften, halbprivate Szenen und Gespräche, in denen große Behauptungen und kleine Alltagsprobleme dicht beieinanderliegen.

Die Komik entsteht dabei offenbar nicht aus einer glatten Nostalgie. Das Westberlin des Romans ist zwar voller schräger Typen, aber nicht einfach ein Sehnsuchtsort. Die Stadt ist winterlich, schmutzig und politisch eingeschlossen. Wer von Kreuzberg in den Wedding fährt, muss unter Ostberlin hindurch. Die Mauer ist damit nicht nur historische Markierung, sondern prägt Wege, Wahrnehmung und Stimmung.

Rückkehr in ein bekanntes Universum

Frank Lehmann gehört zu den bekanntesten Figuren in Regeners Werk. Mit „Frankie und Freddie“ setzt der Autor die literarische Beschäftigung mit seinem späteren „Herrn Lehmann“ fort und verlegt die Handlung in eine frühere Phase der Figur. Gerade deshalb ist der Roman für Leserinnen und Leser interessant, die Regeners Verbindung von Popkultur, Kneipenleben und Westberliner Geschichte kennen.

Die taz ordnet das Buch auch als eine Art leicht zugängliche Stadtlektion ein. Gemeint ist damit kein historisches Sachbuch, sondern ein Roman, der beiläufig zeigt, wie die eingeschlossene Stadt funktionierte und wie Menschen in ihr redeten, lebten und sich selbst beschrieben. Künstlerinnen und Künstler, Zugezogene und Berliner Originale bewegen sich in einer Umgebung, die ihre Eigenheiten verstärkt.

Buch zur Messezeit

„Frankie und Freddie“ erscheint bei Galiani Berlin. Der Roman umfasst 288 Seiten und kostet 24 Euro. Die Besprechung der taz ist Teil der Literataz-Ausgabe zur Frankfurter Buchmesse, die am Freitag veröffentlicht wurde.

Für Regener knüpft das Buch an ein Milieu an, das längst über die Literatur hinaus bekannt ist. Der neue Roman richtet den Blick aber nicht nur zurück auf eine Figur, sondern auch auf eine konkrete historische Stadterfahrung: Westberlin kurz vor Weihnachten 1980, zwischen Alltag, Kunstbetrieb, Kneipe und Mauer.