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Kultur · Literaturpreis

Shida Bazyar erhält Deutschen Buchpreis für „Die Lücken“

Die Autorin Shida Bazyar wird für ihren Roman „Die Lücken“ ausgezeichnet. Der Deutsche Buchpreis ist mit 25.000 Euro für die Gewinnerin dotiert.

Presseonline-Redaktion · · 2 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein Roman und eine Auszeichnung stehen für den Deutschen Buchpreis.
Symbolbild: Ein Roman und eine Auszeichnung stehen für den Deutschen Buchpreis. KI-generiert

Shida Bazyar ist für ihren Roman „Die Lücken“ mit dem Deutschen Buchpreis 2026 ausgezeichnet worden. Die 1988 in Rheinland-Pfalz geborene Schriftstellerin erhält damit eine der bedeutendsten Auszeichnungen der deutschsprachigen Literatur. Der Hauptpreis ist mit 25.000 Euro verbunden. Bazyars Roman erschien im September bei Kiepenheuer & Witsch.

Roman über ein Dorf im Hunsrück

„Die Lücken“ spielt an einem erfundenen Ort im Hunsrück. Der Roman blickt über neun Jahrzehnte deutscher Geschichte hinweg auf Menschen, die diesen Ort geprägt haben. Im Zentrum stehen unter anderem jüdische Familien, Profiteure des Nationalsozialismus und iranische Flüchtlingsfamilien.

Die Jury würdigte nach Angaben des Spiegel vor allem den weiten Blick des Buches über nationale Grenzen hinweg. Bazyars Roman befasse sich mit dem Heimatroman, erweitere dessen Rahmen und stelle die Form neu zur Diskussion. Der Text verbindet damit lokale Geschichte mit Erfahrungen von Verfolgung, Flucht und Erinnerung.

Bazyar, die in Rheinland-Pfalz geboren wurde, gehört mit „Die Lücken“ zu den Autorinnen, die Gegenwartsliteratur eng mit Fragen historischer Verantwortung verknüpfen. Der ausgezeichnete Roman greift nicht nur Familiengeschichten auf, sondern stellt unterschiedliche Gruppen nebeneinander, deren Lebenswege durch deutsche Geschichte verbunden sind.

Dankesrede mit historischem Bezug

In ihrer Rede nahm Bazyar auf die Schwere des Stoffes Bezug. Der Spiegel berichtete, sie habe von „einem merkwürdigen Gefühl“ gesprochen, weil der Preis einem Roman gelte, der sich mit Menschen befasse, die verfolgt, terrorisiert und ermordet wurden. Uneingeschränkte Freude darüber empfinde sie deshalb nicht als passend.

Bazyar erinnerte zudem an Heinz Kahn, einen jüdischen Tierarzt aus ihrem Geburtsort Hermeskeil. Kahn wurde 66 Jahre vor ihr dort geboren. Sie zitierte seine Reaktion auf eine Ehrenbürgerschaft mit den Worten: „Mein Vater hat auch eine Menge Orden bekommen und wurde doch vergast.“ Mit diesem Bezug rückte Bazyar die historische Dimension ihres Romans in den Mittelpunkt ihrer Dankesrede.

Auswahl aus 205 Titeln

Für den Deutschen Buchpreis hatte die Jury 205 Romane geprüft. Berücksichtigt wurden Werke, die seit dem vergangenen Herbst und bis Anfang September 2026 erschienen sind. Der Spiegel nennt zunächst eine Longlist mit 20 Büchern und anschließend eine Shortlist mit sechs Titeln. Deutschlandfunk meldete dagegen, Bazyar habe sich in der letzten Runde gegen drei Autorinnen und einen Autor durchgesetzt.

Das Preisgeld beträgt insgesamt 37.500 Euro. Die Gewinnerin erhält 25.000 Euro; die weiteren Nominierten der Endauswahl bekommen jeweils 2.500 Euro. Der Deutsche Buchpreis wird traditionell unmittelbar vor dem Start der Frankfurter Buchmesse vergeben. Damit richtet sich die Aufmerksamkeit der Literaturbranche zu Beginn der Messe auf den ausgezeichneten Roman.

Im Vorjahr ging der Preis an Dorothee Elmiger für „Die Holländerinnen“. Mit Bazyars Auszeichnung folgt nun ein Roman, der Fragen von Herkunft, Erinnerung und deutscher Geschichte aus einer transnationalen Perspektive erzählt. Die Entscheidung der Jury setzt damit einen deutlichen Schwerpunkt auf Literatur, die historische Gewalt und ihre Nachwirkungen in eine gegenwärtige Erzählform übersetzt.