Kultur · Frankfurter Buchmesse
Philippe Sands erhält Friedenspreis in Frankfurt
Der französisch-britische Jurist und Schriftsteller Philippe Sands ist am Sonntag zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt worden. Die Auszeichnung wurde in der Frankfurter Paulskirche übergeben und ist mit 25.000 Euro verbunden. Der Börsenverein würdigt Sands als Stimme für Menschenrechte, Völkerrecht und internationale Verständigung. An der Feierstunde nahm auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teil.
Anwalt, Professor und Autor
Sands lehrt internationales Recht am University College London und tritt als Anwalt unter anderem vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag auf. Dort arbeitet er auch an der Frage, wie schwere Umweltschäden völkerstrafrechtlich verfolgt werden können. Der Tagesspiegel berichtete unter Berufung auf dpa, Sands setze sich dafür ein, Umweltzerstörung als internationalen Straftatbestand zu verankern.
Der Stiftungsrat des Friedenspreises beschreibt Sands als „engagierten Humanisten“. Er stehe für die Verteidigung von Menschenrechten und suche auch in schwierigen Zeiten nach Wegen zu Gerechtigkeit und Ausgleich. In der Begründung wird zudem sein Einsatz für Frieden und die Durchsetzung des Völkerrechts hervorgehoben.
Sands ist nicht nur als Jurist bekannt. Ein größeres Publikum erreichte er durch erzählende Sachbücher, in denen er juristische Grundfragen mit Biografien und historischen Verbrechen verbindet. Er erklärt darin, wie abstrakte Begriffe wie Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder individuelle Verantwortung konkrete Lebensgeschichten prägen.
Bücher über Recht und Geschichte
Besonders bekannt wurde Sands mit „Rückkehr nach Lemberg“. Das Buch verbindet die Geschichte seines jüdischen Großvaters aus Lemberg, dem heutigen Lwiw, mit den Lebenswegen der Juristen Hersch Lauterpacht und Raphael Lemkin. Beide prägten während und nach dem Zweiten Weltkrieg zentrale Kategorien des modernen Völkerrechts. Ihre Ideen wirkten in die Nürnberger Prozesse hinein und beeinflussen bis heute die internationale Strafjustiz.
In seinem jüngsten Werk „Die Verschwundenen von Londres 38“ beschäftigt sich Sands mit dem Verfahren gegen den früheren chilenischen Diktator Augusto Pinochet. Zugleich behandelt er Verbindungen des SS-Offiziers Walther Rauff zum Pinochet-Regime. Sands war an dem historischen Verfahren beteiligt. Das Buch kreist um die Frage, welche Verantwortung Einzelne in autoritären Systemen und bei schweren Verbrechen tragen.
Dem ZDF sagte Sands, der Irak-Krieg und die Proteste dagegen hätten ihn zum Schreiben für ein breiteres Publikum gebracht. Er habe damals erlebt, dass Demonstrierende Auszüge aus internationalen Regeln auf Plakaten trugen. Daraus sei für ihn der Gedanke entstanden, Völkerrecht verständlicher zu machen und nicht nur für Fachleute zu schreiben.
Mahnung in aktuellen Konflikten
Sands äußert sich regelmäßig zu Kriegen und internationalen Rechtsbrüchen. Im ZDF-Interview bezeichnete er den Angriff vom 7. Oktober in Israel als schweres Verbrechen. Zugleich betonte er, dass auch das Recht auf Verteidigung Grenzen habe. Wenn diese überschritten würden, müsse das klar benannt werden. Sands sagte dazu: „Schweigen ist keine Option.“
Mit Blick auf Deutschland zeigte er sich besorgt über die Haltung im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern. Er sagte dem Sender: „Es beunruhigt mich, wie Deutschland bisher zugeschaut hat.“ Sands verbindet solche Stellungnahmen mit seiner Grundposition, dass Völkerrecht auch dann verteidigt werden müsse, wenn es politisch unbequem werde.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit ist der Schutz der Natur. Sands fordert, massive Umweltschäden als eigenes internationales Verbrechen zu behandeln. Im ZDF formulierte er dazu, schwerwiegende Schädigung der Natur müsse unter Strafe gestellt werden, mit dem Tatbestand Ökozid.
Preis mit langer Tradition
Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wird seit 1950 vergeben. Geehrt werden Persönlichkeiten, die in Literatur, Wissenschaft oder Kunst einen Beitrag zum Friedensgedanken leisten. Zu den bekannten Ausgezeichneten der vergangenen Jahre zählt Salman Rushdie.
Mit der Wahl von Philippe Sands rückt der Börsenverein einen Autor in den Mittelpunkt, der juristische Argumente, historische Aufarbeitung und persönliche Erzählung verbindet. Seine Arbeit zeigt, wie eng Literatur, Recht und politische Verantwortung miteinander verknüpft sein können.