Kultur · Hollywood-Fusion
Paramount vollzieht Warner-Übernahme und wird Skydance
Paramount hat die Übernahme von Warner Bros. Discovery abgeschlossen und führt den vergrößerten Konzern künftig unter dem Namen Skydance. Der Deal hat nach Angaben von ZDFheute ein Volumen von gut 110 Milliarden Dollar und zählt damit zu den größten Zusammenschlüssen der Medien- und Unterhaltungsbranche. Unter einem Dach landen nun zwei traditionsreiche Hollywood-Studios, mehrere Streamingdienste und der Nachrichtensender CNN. In der Branche wachsen zugleich Sorgen vor Arbeitsplatzverlusten und politischem Einfluss auf redaktionelle Entscheidungen.
Ein neuer Riese in Hollywood
Mit dem Abschluss der Transaktion entsteht ein Konzern, der zentrale Marken der amerikanischen Filmgeschichte bündelt. Warner bringt unter anderem Reihen wie „Batman“, „Superman“ und „Harry Potter“ ein. Auf Paramount-Seite gehören etwa „Mission: Impossible“, „Star Trek“, „Top Gun“ und „Der Pate“ zum Portfolio. Auch HBO Max, Paramount+, CBS und CNN gehören nun zur gleichen Unternehmensgruppe.
Geführt wird Skydance von David Ellison, dem Sohn des Tech-Milliardärs Larry Ellison. Kurz vor dem Abschluss kam Ynon Kreiz hinzu, der bisherige Chef des Spielzeugkonzerns Mattel. Beide sollen den neuen Konzern als Doppelspitze leiten. David Ellison hatte sich in der Filmbranche unter anderem mit dem zweiten „Top Gun“-Film profiliert. Die Familie Ellison hatte Paramount erst im vergangenen Jahr übernommen und kontrolliert nun auch Warner Bros. Discovery.
Die Integration dürfte umfangreich werden. Skydance übernimmt nicht nur Studios, Sender und Streamingplattformen, sondern auch hohe Verbindlichkeiten. In Hollywood wird deshalb mit Einschnitten gerechnet. ZDFheute berichtet zudem, Anlegerinnen und Anlegern seien Einsparungen von sechs Milliarden Dollar innerhalb von drei Jahren in Aussicht gestellt worden.
Zusagen für Kino und Produktionen
Paramount hatte im Übernahmeverfahren mehrere Zusagen gemacht. In den ersten beiden Jahren nach dem Zusammenschluss sollen die Studios pro Jahr mindestens 30 Filme ins Kino bringen. Für die drei folgenden Jahre nennen ZDFheute und tagesschau jeweils eine Vorgabe von 32 Filmen jährlich. Wird diese Zahl unterschritten, soll je fehlendem Film eine Zahlung von 30 Millionen Dollar fällig werden.
Zusätzlich soll Skydance in den kommenden fünf Jahren 1,5 Milliarden Dollar mehr für Produktionen in den Vereinigten Staaten ausgeben. Die Zusagen sollen den Einfluss der Fusion auf den Filmmarkt abfedern. Der Zusammenschluss wird in Hollywood mit der Disney-Übernahme von 20th Century Fox im Jahr 2019 verglichen, weil auch damals ein traditionsreiches Studio in einen größeren Medienkonzern eingegliedert wurde.
Im Filmgeschäft übernehmen laut ZDFheute die bisherigen Paramount-Studiochefs Dana Goldberg und Josh Greenstein die Verantwortung. Ihre bisherigen Warner-Gegenüber verlassen demnach ihre Positionen. Für das zusammengeführte Streaminggeschäft mit HBO Max und Paramount+ bleibt Casey Bloys zuständig, der bislang HBO Max führte.
Streitpunkt CNN
Besondere Aufmerksamkeit gilt CNN. Der Sender berichtete in der Vergangenheit häufig kritisch über US-Präsident Donald Trump. Trump griff CNN wiederholt öffentlich an und schloss den Sender zuletzt aus dem Weißen Haus aus. Larry Ellison gilt als Unterstützer Trumps. Kritikerinnen und Kritiker befürchten deshalb, dass sich die neue Eigentümerstruktur auf die Unabhängigkeit des Nachrichtensenders auswirken könnte.
Auch der zum Paramount-Umfeld gehörende Sender CBS steht in diesem Zusammenhang im Fokus. Nach der Übernahme von Paramount durch die Ellison-Familie wurde der Ton gegenüber Trump und seiner Regierung als freundlicher beschrieben. Paramount hat angekündigt, für CNN ein unabhängiges redaktionelles Kontrollgremium einzurichten. Mark Thompson soll den Sender weiter leiten.
Langer Bieterkampf um Warner
Dem Abschluss ging ein monatelanger Wettbewerb um Warner Bros. Discovery voraus. Warner hatte sich im vergangenen Jahr zunächst mit Netflix auf einen Verkauf von Teilen des Konzerns verständigt, darunter Streaming- und Studiogeschäft. Paramount bot anschließend für das gesamte Unternehmen, einschließlich Fernsehsendern wie CNN.
Die Warner-Spitze bevorzugte nach Darstellung der tagesschau wiederholt Netflix. Paramount erhöhte jedoch das Angebot, während Netflix sich später zurückzog. Eine letzte juristische Hürde fiel kurz vor dem Abschluss: Eine Richterin in Kalifornien billigte einen Vergleich mit zwölf US-Bundesstaaten, die Wettbewerbsbedenken gegen den Zusammenschluss vorgebracht hatten.
Mit Skydance beginnt nun eine neue Phase für Hollywood. Der Konzern vereint mächtige Filmreihen, Sender und Streamingplattformen. Zugleich muss die Führung beweisen, dass sie die zugesagten Investitionen, den Kinobetrieb und die redaktionelle Unabhängigkeit unter den Bedingungen eines hoch verschuldeten Medienriesen zusammenhalten kann.