Kultur · Vatikan und Gesundheit
Papst Leo XIV. nach Lungen-OP an Krebs erkrankt
Papst Leo XIV. ist an Lungenkrebs erkrankt. Nach seiner Operation in der römischen Gemelli-Klinik bestätigten die behandelnden Ärzte am Dienstagabend die Diagnose. Dem 71 Jahre alten Kirchenoberhaupt wurde der untere Lungenlappen auf der rechten Seite entfernt, weil dort ein zuvor entdeckter Knoten saß. Der Eingriff verlief den Angaben zufolge erfolgreich und ohne Komplikationen. Leo XIV. erholt sich nun im Krankenhaus.
Tumor bei Routinekontrolle entdeckt
Der Papst hatte erst am Sonntag öffentlich gemacht, dass bei einer Routineuntersuchung ein auffälliger Knoten in seiner Lunge gefunden worden war. Am Dienstag folgte die Operation in Rom. Nach Angaben der Ärzte dauerte der Aufenthalt im Operationssaal insgesamt etwa drei Stunden. Operiert wurde mit einer videoassistierten Methode, bei der in der Regel kleine Schnitte und eine Kamera eingesetzt werden, statt den Brustkorb großflächig zu öffnen.
Nach dem Aufwachen konnte Leo XIV. in sein Zimmer zurückkehren. Im Gemelli-Krankenhaus gibt es einen eigenen Bereich für Päpste, in dem auch frühere Kirchenoberhäupter behandelt wurden. Dort soll der Pontifex zunächst etwa eine Woche bleiben.
Die Ärzte stellten ein Lungenadenokarzinom fest. Diese Krebsform entsteht in der Lunge und zählt zu den häufigsten Arten von Lungenkrebs. Der Tagesspiegel zitiert dazu den Pneumologen Jürgen Behr von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Im günstigsten Verlauf könne die Operation bereits ausreichen, anschließend wäre vor allem Nachsorge nötig.
Weitere Befunde entscheiden über Therapie
Die Entfernung des unteren rechten Lungenlappens soll verhindern, dass Tumorgewebe zurückbleibt. Der rechte Lungenflügel besteht aus drei Lappen. Nach Einschätzung von Behr bedeutet der Verlust eines solchen Abschnitts häufig eine messbare, aber im Alltag nicht zwingend stark spürbare Einschränkung der Lungenleistung.
Für die weitere Behandlung sind nun zusätzliche Untersuchungen entscheidend. Dazu gehören die Auswertung des Tumorgewebes, mögliche Hinweise auf Lymphknotenbefall und die Suche nach Absiedlungen in anderen Organen. Bei Lungenkrebs kommen dafür bildgebende Verfahren wie ein PET-CT infrage.
Wichtig ist auch die molekulare Analyse des Tumors. Dabei wird geprüft, ob bestimmte genetische Veränderungen in den Krebszellen vorliegen, die mit zielgerichteten Medikamenten behandelt werden können. Solche Therapien können bei passenden Befunden eine Alternative oder Ergänzung zu Chemotherapie und Immuntherapie sein.
Genesungswünsche aus Politik und Kirche
Die Erkrankung des Papstes löste international Reaktionen aus. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wünschte Leo XIV. nach Angaben des Spiegel eine baldige Genesung. Die Stimme des Papstes sei für viele Menschen weltweit bedeutsam, sagte Steinmeier der Katholischen Nachrichten-Agentur.
Auch die Deutsche Bischofskonferenz äußerte sich. Ihr Vorsitzender, Bischof Heiner Wilmer, schrieb auf den Kanälen der Bischofskonferenz, man wünsche dem Heiligen Vater „Ruhe und Kraft“. Aus den USA, Peru, Italien und Österreich kamen ebenfalls Genesungswünsche.
Wegen des Krankenhausaufenthalts wurden Audienzen bis Mitte der kommenden Woche abgesagt. Darunter ist auch ein geplanter Termin mit der saarländischen Ministerpräsidentin Anke Rehlinger. Die Teilnahme des Papstes an einem Gottesdienst zum Abschluss eines internationalen Bischofstreffens zu Ehe und Familie auf dem Petersplatz an diesem Mittwoch wurde ebenfalls gestrichen.
Krebserkrankung auch beim Bruder
In der Familie des Papstes gibt es weitere Krebserkrankungen. Louis Prevost, ein älterer Bruder von Leo XIV., wird laut seiner Ehefrau Deborah Prevost derzeit in Florida wegen eines Multiplen Myeloms in einer Klinik behandelt. Sie sagte dem US-Sender CBS laut n-tv, die Diagnose bei ihrem Mann sei bereits 2017 gestellt worden. 2019 habe er eine Stammzellenbehandlung erhalten; danach sei die Krankheit längere Zeit kontrolliert gewesen.
Das Multiple Myelom betrifft Plasmazellen im Knochenmark und kann unter anderem Blutarmut, Nierenschäden und Knochenschmerzen verursachen. Deborah Prevost berichtete außerdem, die Brüder hätten in der vergangenen Woche miteinander gesprochen. Über den Gesundheitszustand des Papstes konnte sie keine Angaben machen. Sie sagte bei CBS: „Wir beten weiter und hoffen für beide auf das Beste.“
Leo XIV., mit bürgerlichem Namen Robert Francis Prevost, ist gebürtiger US-Amerikaner. Er war viele Jahre in Peru tätig, unter anderem als Missionar und Bischof, und besitzt auch die peruanische Staatsbürgerschaft. Für November ist eine Reise nach Uruguay, Argentinien und Peru vorgesehen. Wie sich die Erkrankung auf die kommenden Wochen auswirkt, hängt nun vor allem von den weiteren medizinischen Ergebnissen ab.