Kultur · Nobelpreise 2026
Literaturnobelpreis wird heute in Stockholm verkündet
Heute richtet sich der Blick der Literaturwelt nach Stockholm: Die Schwedische Akademie will frühestens um 13.00 Uhr mitteilen, wer den Literaturnobelpreis 2026 erhält. Nach den bereits vergebenen Auszeichnungen in Medizin, Physik und Chemie ist der Literaturpreis die nächste Nobel-Entscheidung dieser Woche. Beobachterinnen und Beobachter rechnen besonders aufmerksam damit, ob nach mehreren männlichen Preisträgern in den Naturwissenschaften diesmal eine Frau geehrt wird.
Entscheidung in Stockholm
Der Literaturnobelpreis zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen für Schriftstellerinnen und Schriftsteller weltweit. Die Akademie veröffentlicht ihre Entscheidung traditionell ohne vorherige Shortlist. Entsprechend groß ist die Aufmerksamkeit vor der Bekanntgabe, auch weil Prognosen beim Literaturpreis oft unsicher bleiben.
Der Tagesspiegel berichtet unter Berufung auf dpa, die Verkündung sei für heute in Stockholm angesetzt. Im vergangenen Jahr ging der Preis an den ungarischen Autor László Krasznahorkai. Zu seinen bekannten Büchern gehören „Satanstango“ und „Melancholie des Widerstands“. 2024 war die südkoreanische Schriftstellerin Han Kang ausgezeichnet worden.
Aus dieser jüngeren Abfolge ergibt sich für viele Beobachterinnen und Beobachter eine naheliegende Frage: Setzt sich der Wechsel zwischen männlichen und weiblichen Geehrten fort? In den vergangenen Jahren hatte die Jury beim Literaturpreis jeweils abwechselnd einen Mann und eine Frau ausgewählt.
Spekulationen über Kandidatinnen
Der Deutschlandfunk meldete, Expertinnen und Experten hielten eine Entscheidung zugunsten einer Autorin für möglich. Hintergrund ist auch Kritik an der Akademie, weil männliche Autoren in der bisherigen Vergabepraxis stark überwogen. In der gesamten Geschichte des Literaturnobelpreises seit 1901 wurden nur 18 Frauen unter 122 Geehrten ausgezeichnet.
Als mögliche Kandidatinnen werden mehrere international bekannte Schriftstellerinnen genannt. Literaturkritiker Denis Scheck brachte nach Angaben des Tagesspiegels unter anderem Margaret Atwood aus Kanada, Siri Hustvedt aus den USA und Can Xue aus China ins Gespräch. Alle drei stehen für ein umfangreiches literarisches Werk und werden seit Jahren immer wieder in Nobelpreisdebatten erwähnt.
Auch bei Wettanbietern tauchten kurz vor der Entscheidung Namen von Autorinnen und Autoren auf. Neben Can Xue wurden dort unter anderem Anne Carson aus Kanada, Gerald Murnane und Alexis Wright aus Australien, der US-Amerikaner Thomas Pynchon sowie Jamaica Kincaid genannt, die auf Antigua aufwuchs. Solche Listen haben allerdings nur begrenzten Aussagewert. Scheck bezeichnete das Raten über den Nobelpreis laut Tagesspiegel als „Kaffeesatzleserei“.
Nobelwoche geht weiter
Die Bekanntgabe des Literaturpreises folgt auf die Entscheidungen in den wissenschaftlichen Kategorien. Seit Montag wurden die Nobelpreise für Physiologie oder Medizin, Physik und Chemie vergeben. Unter den bisherigen Geehrten dieser Woche sind auch die Deutschen Peter Hegemann und Georg Nagel. Sie erhielten den Medizinpreis gemeinsam mit dem US-Amerikaner Karl Deisseroth für Arbeiten zur Optogenetik.
Der Physik-Nobelpreis ging an den belgisch-amerikanischen Forscher Francis Halzen. In Chemie wurden Henri Kagan aus Frankreich und Kenso Soai aus Japan ausgezeichnet. Ihre Arbeiten gelten als wichtige Grundlage unter anderem für Entwicklungen in der Medikamentenforschung.
Nach der Literaturentscheidung folgt am Freitag der Friedensnobelpreis. Den Abschluss der Nobelwoche bildet am kommenden Montag der Preis der Schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften. Dieser Preis gehört nicht zu den von Alfred Nobel ursprünglich gestifteten Auszeichnungen, wird aber gemeinsam mit den Nobelpreisen bekanntgegeben und verliehen.
Preisgeld und Verleihung
Die Nobelpreise sind in diesem Jahr pro Kategorie mit zwölf Millionen schwedischen Kronen dotiert. Das entspricht rund einer Million Euro. Übergeben werden die Auszeichnungen am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels. Die Zeremonien finden überwiegend in Stockholm statt. Eine Ausnahme bildet der Friedensnobelpreis, der in Oslo verliehen wird.
Für die Literatur ist die heutige Entscheidung mehr als eine Ehrung einer einzelnen Autorin oder eines einzelnen Autors. Sie setzt ein Signal dafür, welche Stimmen die Akademie in diesem Jahr für besonders bedeutsam hält. Ob es dabei zu einer Auszeichnung für eine Frau kommt, entscheidet sich am frühen Nachmittag in Stockholm.