Kultur · Messeauftakt in Frankfurt
Frankfurter Buchmesse startet mit Tschechien und KI-Debatten
Die Frankfurter Buchmesse beginnt heute mit dem Auftritt des Ehrengasts Tschechien. Am Nachmittag öffnet der tschechische Pavillon, bevor die Messe ab Mittwoch zunächst dem Fachpublikum vorbehalten ist. Ab Freitag können auch private Besucherinnen und Besucher auf das Gelände. Der Deutschlandfunk nennt rund 7.000 Aussteller; im vergangenen Jahr zählte die Messe 238.000 Gäste. Bis Sonntag prägen neben Neuerscheinungen auch Künstliche Intelligenz, Audioformate, Popkultur und die angespannte Lage vieler Buchhandlungen das Programm.
Tschechien eröffnet den Gastland-Auftritt
Die 78. Ausgabe der Frankfurter Buchmesse läuft vom 7. bis 11. Oktober und bleibt an den ersten beiden Tagen der internationalen Branche vorbehalten. Verlage, Agenturen, Buchhandlungen und Medienunternehmen nutzen die Messe traditionell für Rechtehandel, Kontakte und Programmvorstellungen. Für das öffentliche Publikum öffnen die Hallen am Freitag.
Tschechien steht in diesem Jahr als Ehrengast im Mittelpunkt. Der Gastland-Pavillon wird bereits heute feierlich eröffnet. Bis zum Ende der Messe sind zahlreiche Veranstaltungen geplant. Auf zehn Bühnen treten nach Angaben des Deutschlandfunks mehr als 1.000 Rednerinnen und Redner auf. ZDFheute nennt insgesamt etwa 3.488 Veranstaltungen rund um die Buchmesse.
Zum literarischen Rahmen gehört auch der Deutsche Buchpreis. Er wurde am Montagabend an Shida Bazyar für ihren Roman „Die Lücken“ vergeben. Den Schlusspunkt setzt am Sonntag die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels. Ausgezeichnet wird der französisch-britische Jurist und Autor Philippe Sands.
Mehr Bühne für Audio, Games und Fangemeinden
Die Messe zeigt 2026 deutlicher als früher, dass Buchkultur nicht nur im gedruckten Buch stattfindet. Hörbücher, Podcasts, digitale Formate, Games und soziale Netzwerke erhalten breiten Raum. Besonders sichtbar ist der Trend zu Romance, Fantasy, New Adult und Popkultur. Dafür gibt es eine eigene Community Stage, auf der unter anderem Julia Dippel, Ayla Dade und Anna Benning auftreten.
Auch Romantasy ist ein Schwerpunkt. Das Genre verbindet Liebesgeschichten mit fantastischen Elementen und hat durch soziale Medien eine große Anhängerschaft gewonnen. In Frankfurt wird erstmals ein Romantasy-Preis vergeben. Krimis und Thriller bleiben ebenfalls stark vertreten, ergänzt durch Angebote zu True Crime, Hörspiel und interaktiven Formaten.
Das Audiosegment wächst weiter. Unter dem Namen „Frankfurt Audio“ bündelt die Messe Hörbücher, Podcasts und neue technische Entwicklungen. Besucherinnen und Besucher können Produktionen kennenlernen, Live-Podcasts erleben und in Hörbuchformate hineinhören. Zu den angekündigten Gästen zählen Sebastian Fitzek, Caroline Wahl und Jan Weiler.
ZDFheute berichtet zudem über eine stärkere Sortierung der Publikumsbereiche nach Interessen. Neu oder ausgebaut sind Angebote für Manga, Anime, Sammelkarten und Games. Der Bereich für Kinder- und Jugendmedien setzt auf Lesungen und Mitmachformate.
KI wird zum großen Streitpunkt
Künstliche Intelligenz gehört zu den beherrschenden Themen der Messe. Verlage diskutieren, wie KI in Herstellung, Vertrieb und Vermarktung eingesetzt werden kann. Auch künstliche Stimmen bei Hörbuchproduktionen, automatisierte Inhalte und digitale Rechtefragen stehen auf der Tagesordnung.
Die Debatte berührt besonders das Urheberrecht. Autorinnen, Autoren und Verlage kritisieren, dass Werke für das Training von KI-Systemen genutzt werden können. Zugleich ist die Technik in Teilen der Branche bereits im Alltag angekommen, etwa bei Datenorganisation oder Arbeitsabläufen in Verlagen. Für rund ein Drittel der Verlage hat KI laut einer Befragung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels eine hohe Bedeutung.
Die seit August geltende EU-Kennzeichnungspflicht für bestimmte KI-Inhalte geht manchen Verlagen nicht weit genug. Einige markieren Bücher freiwillig als KI-frei. Auf der Messe geht es damit nicht nur um technische Chancen, sondern auch um Vertrauen, Transparenz und die Frage, welche Rolle menschliche Kreativität künftig behält.
Branche ringt mit Strukturproblemen
Hinter dem großen Messeprogramm steht eine Branche unter Druck. Die Tagesschau verweist auf sinkende Leselust, Schließungen im stationären Buchhandel und stark gestiegene Kosten. Zwischen 2018 und 2023 schloss demnach jede vierte Buchhandlung. Der stationäre Handel verlor 2025 erneut Umsatz, hält aber weiter einen erheblichen Marktanteil.
Der Gesamtumsatz des deutschen Buchmarkts lag 2025 bei 9,619 Milliarden Euro. Diese Zahl wirkt stabil, verdeckt aber Veränderungen im Kaufverhalten. Besonders deutlich ist der Rückgang bei jungen Käuferinnen und Käufern zwischen zehn und 15 Jahren. Ihre Buchkäufe gingen 2025 im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurück.
Deshalb wird in Frankfurt auch über Lesekompetenz und Leseförderung gesprochen. Die Messe ist damit zugleich Branchentreff, Publikumsfestival und Ort kulturpolitischer Debatten. Sie zeigt, wie stark sich Erzählen, Vermarktung und Lesen verändern, während das klassische Buch weiter um Aufmerksamkeit kämpfen muss.