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Kultur · Fan-Kultur

Coldmirror wendet sich von Harry Potter ab

Kathrin Fricke alias Coldmirror zieht nach Jahren mit Harry Potter eine Grenze. Die YouTuberin verweist auf J. K. Rowlings Haltung zu trans Menschen.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein Schreibtisch mit Buch und Schnittplatz steht für den Abschied von einer prägenden Fan-Ära.
Symbolbild: Ein Schreibtisch mit Buch und Schnittplatz steht für den Abschied von einer prägenden Fan-Ära. KI-generiert

Kathrin Fricke, im Netz als Coldmirror bekannt, distanziert sich von Harry Potter. Die YouTuberin und Medienkünstlerin sagte der Süddeutschen Zeitung, sie habe „keine Liebe mehr für Harry“. Als Grund nannte die 41-Jährige das Auftreten von Autorin J. K. Rowling gegen trans Menschen. Für viele langjährige Fans ist der Schritt ein Einschnitt: Fricke prägte mit ihren Harry-Potter-Parodien seit den 2000er-Jahren die deutsche Netzkultur.

Abschied von einem prägenden Stoff

Coldmirror gehörte zu den frühen deutschen YouTube-Stimmen, die mit eigenen Formaten eine große Fangemeinde erreichten. 2006 veröffentlichte Fricke ihr erstes Video. Besonders bekannt wurde sie durch satirische Neufassungen der Harry-Potter-Filme, in denen sie Szenen neu vertonte und die Vorlagen in absurden Humor verwandelte.

Diese Videos wurden für viele Nutzerinnen und Nutzer zu festen Referenzen der frühen Plattformjahre. Titel wie „Harry Potter und ein Stein“, „Harry Potter und der geheime Pornokeller“ oder „Harry Potter und der Plastikpokal“ stehen für eine Zeit, in der Fanproduktion, Parodie und Online-Community enger zusammenrückten. Frickes Werk war dabei nicht nur Kommentar zur Filmreihe, sondern entwickelte eine eigene Sprache und ein eigenes Publikum.

Mit ihrem späteren Podcast zum ersten Film setzte Fricke die Beschäftigung mit dem Stoff über Jahre fort. Die Analyse von „Harry Potter und der Stein der Weisen“ lief in kurzen Folgen und dauerte insgesamt acht Jahre. Fricke beschrieb dieses Projekt im SZ-Gespräch als große Liebeserklärung. 2023 beendete sie es und zog damit für sich eine Grenze.

Rowlings Positionen als Bruchpunkt

Der Abstand zu Harry Potter hängt für Fricke unmittelbar mit Rowling zusammen. Die britische Autorin wird seit Jahren wegen Äußerungen zu trans Menschen und Frauenrechten scharf kritisiert. Sie vertritt die Position, dass das biologische Geschlecht nicht geändert werden könne, und warnt unter anderem vor Risiken für Frauen in nach Geschlechtern getrennten Räumen, wenn trans Menschen Zugang erhalten.

Fricke sagte über Rowling, deren heutiges Handeln zerstöre für sie den früheren Zauber des Themas. In der Süddeutschen Zeitung wird sie mit dem Satz zitiert: „Für mich ist das Thema durch.“ Zudem warf sie Rowling vor, nicht nur ihre Ansichten zu verbreiten, sondern auch finanzielle Mittel einzusetzen, um Menschen das Leben schwerer zu machen.

Die Distanzierung reiht sich in eine breitere Entwicklung ein. Auch Darsteller aus den Harry-Potter-Filmen haben sich bereits vor Jahren von Rowling abgegrenzt, darunter Daniel Radcliffe. Der Konflikt zeigt, wie stark die Wahrnehmung eines Popkulturstoffs von den öffentlichen Positionen seiner Urheberin beeinflusst werden kann.

Zwischen Trauer und Abgrenzung

Für Fricke war Harry Potter früher mehr als ein Material für Parodien. Die Geschichten hätten ihr in einer schwierigen Lebensphase Halt gegeben. Die magische Welt sei für sie ein Ort gewesen, an den sie sich innerlich zurückziehen konnte. Auch die Erwartung neuer Bücher oder Filme habe ihr damals etwas gegeben, worauf sie sich freuen konnte.

Gerade deshalb beschreibt Fricke den Bruch nicht als gleichgültigen Abschied. Sie habe um Harry Potter getrauert. Gleichzeitig trennt sie zwischen der heutigen Bewertung des Franchise und dem, was Fans früher daraus gewonnen haben. Freundschaften, Trost oder Kraft, die Menschen durch die Bücher, Filme oder Fan-Community erlebt haben, bleiben für sie bestehen.

Der Spiegel nennt für Coldmirrors YouTube-Kanal 1,6 Millionen Abonnentinnen und Abonnenten. Der Tagesspiegel berichtet unter Berufung auf dpa ebenfalls von mehr als einer Million. Der Kanal gehört heute zum öffentlich-rechtlichen Netzwerk Funk.

Signal einer Fan-Generation

Coldmirrors Abkehr ist medienkulturell bedeutsam, weil sie eine besonders sichtbare Figur der deutschen Harry-Potter-Fankultur betrifft. Ihre Videos entstanden in einer Phase, in der YouTube noch stärker von privaten Experimenten, Remixkultur und improvisierter Satire geprägt war. Für viele gehörten ihre Parodien ebenso zum eigenen Aufwachsen mit Harry Potter wie Bücher und Filme selbst.

Dass ausgerechnet diese Künstlerin nun öffentlich Abstand nimmt, zeigt die Verschiebung im Umgang mit älteren Fanbindungen. Popkultur bleibt nicht statisch. Werke, die einmal als Rückzugsorte galten, werden neu bewertet, wenn sich gesellschaftliche Konflikte und die Haltung ihrer Schöpferinnen und Schöpfer in den Vordergrund drängen. Bei Coldmirror endet damit keine bloße Vorliebe, sondern ein Kapitel deutscher Online-Fankultur.