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Stündlich aktualisiert

Kultur · Frankfurter Buchmesse

Buchmesse endet mit leichtem Minus und Stabwechsel

Die Frankfurter Buchmesse zählt 236.000 Besucherinnen und Besucher. Trotz großer Publikumsresonanz zeigen Ausstellerzahlen und Stimmung ein gemischtes Bild.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Eine Buchmessehalle mit anonymen Besucherinnen und Besuchern steht für die gemischte Bilanz der Frankfurter Buchmesse.
Symbolbild: Eine Buchmessehalle mit anonymen Besucherinnen und Besuchern steht für die gemischte Bilanz der Frankfurter Buchmesse. KI-generiert

Die Frankfurter Buchmesse hat ihre 78. Ausgabe mit 236.000 Besucherinnen und Besuchern aus 137 Ländern beendet und damit das Vorjahresniveau knapp verfehlt. 2025 waren 238.000 Menschen gekommen. Die Veranstalter meldeten 119.000 Fachbesucherinnen und Fachbesucher sowie 117.000 Privatbesucherinnen und Privatbesucher. Zugleich fällt die Bilanz nicht nur wegen des leichten Besucherrückgangs verhalten aus: Die Zahl der Aussteller lag bei 4.000 und damit unter dem Wert des Vorjahres.

Besucherzahlen bleiben stabil

Die Messe hielt sich beim Publikum nahezu auf dem Stand des vergangenen Jahres. Der Tagesspiegel berichtete unter Berufung auf dpa zudem von 3.800 Veranstaltungen während der fünf Messetage. Die Zahlen zeigen eine weiterhin hohe internationale Reichweite, aber auch eine Veranstaltung, die sich nach den starken Einschnitten der Pandemie noch nicht wieder auf frühere Größenordnungen zubewegt.

Besonders deutlich wird das bei den Ausstellern. Nach Angaben der FAZ waren 2025 noch rund 4.300 Aussteller vertreten. Vor der Corona-Pandemie lag die Zahl demnach bei mehr als 7.000. Die Zeitung ordnet diesen Rückgang als wichtiges Warnsignal ein: Im Fachpublikum wirkten sich Kostenfragen aus, beim allgemeinen Publikum spielten sinkende Buchkäufe und abnehmende Lesekompetenz eine Rolle.

Für die Messe ergibt sich daraus ein zweigeteiltes Bild. Die Hallen blieben ein Anziehungspunkt für Leserinnen, Leser und Branchenvertreter. Gleichzeitig steht die Frankfurter Buchmesse vor der Aufgabe, ihre Bedeutung für Verlage, Literaturbetrieb und Publikum auch wirtschaftlich neu zu sichern.

Viel Betrieb, weniger Streit

Die Süddeutsche Zeitung beschrieb die diesjährige Ausgabe als Messe mit viel Prominenz und vergleichsweise wenig politischer Zuspitzung. Größere Konflikte seien auf den Bühnen kaum sichtbar geworden, abgesehen von Debatten rund um das Gastland Tschechien. Der öffentliche Eindruck war damit stärker von Begegnungen, Auftritten und Publikumsandrang geprägt als von kulturpolitischen Auseinandersetzungen.

Ein starker Publikumsmagnet war auch die diesjährige Trägerin des Deutschen Buchpreises, Shida Bazyar. Die FAZ berichtete, dass ihr Roman „Die Lücken“ am Stand des Verlags Kiepenheuer & Witsch bereits während der Messe ausverkauft war. Der Verlag hatte demnach 900 Exemplare in die Halle gebracht und zusätzlich Nachschub bereitgehalten. Schon vor der Preisvergabe lag der Titel im Buchhandel bei fast 80.000 Exemplaren; bis Samstag waren 100.000 weitere gedruckt, von denen 40.000 verkauft waren.

Solche Erfolge unterstreichen die weiterhin starke Wirkung der Messe für einzelne Bücher und Autorinnen und Autoren. Sie ändern aber nichts daran, dass die Gesamtentwicklung der Ausstellerzahlen angespannt bleibt.

Friedenspreis an Philippe Sands

Zum Abschluss wurde der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. Ausgezeichnet wurde der französisch-britische Völkerrechtsanwalt und Schriftsteller Philippe Sands. In seiner Dankesrede kritisierte er Deutschlands Umgang mit Israel und sprach von „unanständigem Schweigen“. Völkerrechtsverletzungen müssten klar benannt werden, auch unter Freunden.

Die Verleihung setzte damit am letzten Messetag doch noch einen politischen Akzent. Sands ist Nachfahre von Holocaustüberlebenden und verbindet juristische Fragen des Völkerrechts mit literarischer Arbeit. Der Friedenspreis gehört traditionell zu den wichtigsten öffentlichen Momenten der Frankfurter Buchmesse.

Abschied nach 21 Jahren

Für Direktor Juergen Boos war es die letzte Buchmesse an der Spitze. Er geht nach 21 Jahren im Amt in den Ruhestand. Neuer Buchmessen-Chef wird Joachim Kaufmann. Zum Abschied erhielt Boos viel Anerkennung; unter anderem wurde eine Videobotschaft des Schriftstellers Salman Rushdie gezeigt.

Auch der Blick auf die nächste Ausgabe ist bereits festgelegt. Nach Tschechien in diesem Jahr übernimmt Chile 2027 die Rolle des Gastlands. Der Auftritt soll unter dem Motto „Sterne der Erde“ stehen. Die nächste Frankfurter Buchmesse ist für den 6. bis 10. Oktober 2027 geplant.

Damit endet die Messe mit einer Bilanz, die weder Krise noch Aufbruch eindeutig erzählt. Die Besucherzahlen sind stabil, einzelne literarische Ereignisse entfalten große Zugkraft, und der internationale Anspruch bleibt sichtbar. Zugleich zeigen weniger Aussteller und die strukturellen Sorgen der Branche, dass die Frankfurter Buchmesse weiter um ihre frühere Breite ringen muss.