Kultur · Britische Literatur
Bestsellerautor Jeffrey Archer mit 86 Jahren gestorben
Der britische Schriftsteller Jeffrey Archer ist tot. Der Autor zahlreicher internationaler Bestseller starb am Montag im Alter von 86 Jahren zu Hause, wie Tagesschau und Spiegel aus einer Mitteilung seines Verlags zitieren. Am heutigen Dienstag sollte sein neuer Roman „Adam and Eve“ veröffentlicht werden, den Archer selbst als sein letztes Buch bezeichnet hatte.
Millionenpublikum mit Politthrillern
Archer gehörte über Jahrzehnte zu den erfolgreichsten englischsprachigen Unterhaltungsschriftstellern. Seine Romane erreichten ein weltweites Publikum; insgesamt wurden nach Angaben seiner Website mehr als 300 Millionen Bücher verkauft. Zu seinen bekannten Werken zählen „Kain und Abel“, „Der Aufstieg“, „Imperium“ und „Ein Mann von Ehre“.
Seine Stoffe bewegten sich häufig in der Welt von Macht, Geld und gesellschaftlichem Aufstieg. Archer erzählte von Rivalitäten, Intrigen und Karrieren, oft vor politischer oder wirtschaftlicher Kulisse. Das machte ihn zu einem Autor, dessen Bücher nicht nur in Großbritannien, sondern auch international hohe Auflagen erreichten.
Den Durchbruch brachte ihm „Kain und Abel“. Der Roman erzählt von zwei Männern, die am selben Tag geboren werden, aber aus sehr unterschiedlichen Verhältnissen stammen. Das Buch wurde in zahlreiche Sprachen übertragen und weltweit verbreitet. Auch spätere Reihen, darunter die „Warwick“-Saga, knüpften an Archers Erfolgsrezept aus Spannung, Ehrgeiz und gesellschaftlichen Konflikten an.
Sein Verlag HarperCollins würdigte ihn als Autor, für den sein Publikum im Mittelpunkt gestanden habe. Seine Lektorin Kate Elton nannte ihn dem Spiegel zufolge einen „Meistererzähler und Traum eines jeden Lektors“.
Schreiben nach einer Finanzkrise
Jeffrey Archer wurde am 15. April 1940 in London geboren und wuchs in Somerset auf. Bevor er als Schriftsteller berühmt wurde, strebte er eine politische Laufbahn an. Bereits mit 29 Jahren zog er für die Konservative Partei ins britische Unterhaus ein. Wenige Jahre später musste er sein Mandat nach einer fehlgeschlagenen Investition aufgeben.
Aus dieser Krise entstand sein erster Roman. Archer schrieb das Buch Mitte der 1970er-Jahre, um seine finanzielle Lage zu verbessern. Der Plan ging auf: Sein Debüt wurde rasch in vielen Ländern veröffentlicht und erreichte eine Millionenauflage. Aus dem früheren Nachwuchspolitiker wurde ein Schriftsteller, der mit hohem Arbeitstempo regelmäßig neue Bücher vorlegte.
Archers Produktivität blieb ein zentrales Merkmal seiner Karriere. Er schrieb seine Manuskripte nach Angaben aus seinem Umfeld diszipliniert von Hand und arbeitete täglich viele Stunden. Noch im hohen Alter setzte er neue Projekte um. Für diese Woche war ein Auftritt beim Literaturfestival in Cheltenham geplant, bei dem er über seinen neuen Roman sprechen sollte.
Karriere zwischen Politik und Skandalen
Parallel zu seinem literarischen Erfolg blieb Archer der Politik verbunden. 1985 machte ihn die damalige Premierministerin Margaret Thatcher zum stellvertretenden Vorsitzenden der Konservativen Partei. Schon im folgenden Jahr trat er von diesem Amt zurück, nachdem eine Zahlung an eine Prostituierte bekannt geworden war.
Später wurde ein Rechtsstreit mit der Zeitung „Daily Star“ für Archer juristisch folgenschwer. In dem Verfahren ging es um Berichte über eine angebliche Affäre. Jahre danach wurde ihm vorgeworfen, vor Gericht ein falsches Alibi benutzt und Aussagen manipuliert zu haben. 2001 verurteilte ihn ein Gericht wegen Meineids, Urkundenfälschung und Anstiftung zur Falschaussage zu vier Jahren Haft. Zwei Jahre verbrachte er im Gefängnis.
Trotz dieser Brüche blieb Archer eine prominente Figur im britischen öffentlichen Leben. Er gehörte bis 2024 dem House of Lords an. Seine Biografie war damit geprägt von ungewöhnlich großen Gegensätzen: früher politischer Aufstieg, internationale Bestseller, schwere persönliche und juristische Rückschläge.
Letztes Buch erscheint nach seinem Tod
Kurz vor seinem Tod war Archer noch öffentlich aufgetreten. Der britische Moderator Gyles Brandreth schrieb auf X, er habe am Sonntag einen Abend mit ihm verbracht, um den neuen Roman zu feiern. Archer sei dabei in sehr guter Form gewesen.
Mit „Adam and Eve“ erscheint nun sein letztes angekündigtes Werk unmittelbar nach seinem Tod. Für viele Leserinnen und Leser endet damit eine lange Schriftstellerkarriere, die Populärliteratur, Politik und britische Zeitgeschichte auf ungewöhnliche Weise verband.